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Uwe Krüger: Meinungsmacht : Wie kommt die Meinung in die Welt?

  • -Aktualisiert am

Bild: IPJ

In Milieus verstrickt: Uwe Krüger untersucht, wie Eliten mit ihren Netzwerken wichtige Journalisten gedanklich vereinnahmen. Ein Meinungsmonopol wird daraus aber nicht.

          5 Min.

          Auch wenn oft von „der“ öffentlichen Meinung die Rede ist, erwartet man von der politischen Öffentlichkeit demokratischer Staaten, dass sie keineswegs nur eine Meinung, sondern viele Meinungen toleriert. Gerade Meinungsumfragen zeigen - auch dann, wenn sie das Spektrum der Meinungen für Erhebungszwecke zurechtschneiden und verkürzen -, dass es so etwas wie eine von allen geteilte Meinung zu keinem Thema gibt. Dennoch mag gelegentlich der Eindruck entstehen, dass das Potential möglicher Meinungen zu einem Thema nicht recht ausgeschöpft wird.

          Wenn sich daraus ein Meinungsbild ergibt, das den Präferenzen der Regierenden oder einflussreicher Gruppen entspricht, liegt der Verdacht nahe, es gehe nicht mit rechten (beziehungsweise rechtsstaatlichen) Dingen zu. Dies wäre offensichtlich der Fall, wenn man beobachten könnte, dass abweichende Meinungen mit Sanktionen zu rechnen haben. Andernfalls aber stellt sich die Frage: Wer manipuliert eigentlich - und wie?

          „Meinungsmacht“ in den Händen vermeintlicher Eliten

          Die „Meinungsmacht“, so die These der kürzlich als Buch erschienenen Dissertation des Medienwissenschaftlers Uwe Krüger, liegt dann nicht bei einem einzelnen Machthaber (zum Beispiel der Staatszensur), sondern verteilt sich auf Netzwerke einflussreicher Eliten, in die auch meinungsbildende „Alpha-Journalisten“ eingebunden sind. Letztere werden natürlich nicht erpresst oder anderweitig dazu gezwungen, bestimmte Meinungen zu vertreten, sondern von den Eliten in Politik und Wirtschaft „kognitiv vereinnahmt“. Journalisten nehmen etwa an Veranstaltungen der „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ oder der „Atlantischen Initiative“ teil und geraten dadurch in ein Milieu, dessen Deutungen sie übernehmen. Um diese These plausibel zu machen, müsste sowohl die inhaltliche Übereinstimmung der von den Journalisten vertretenen Positionen mit jenen der Eliten als auch ihre Einbindung in persönliche Netzwerke gezeigt werden können.

          Krüger versucht dies, indem er für den Zeitraum einerseits die Verbindungen von Journalisten zu 82 Organisationen mit „Kontaktpotenzial“ untersucht, andererseits die Artikel von vier Journalisten, die im „transatlantischen Elitenmilieu“ gut vernetzt sind, zu sicherheitspolitischen Fragen inhaltsanalytisch untersucht. Als Ergebnis hält der Autor fest: „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Süddeutsche Zeitung“, „Welt“ und „Die Zeit“ berichteten im Zeitraum von 2002 bis 2010 „unkritisch bis persuasiv“ und übernahmen insbesondere den Auslandseinsätze legitimierenden „erweiterten Sicherheitsbegriff“.

          Ein paar Journalisten ergeben noch keine öffentliche Meinung

          Als Gegenprobe wird die Berichterstattung von „Frankfurter Rundschau“ und „taz“ herangezogen: Diese berichteten zwar anders, vertraten aber keine klare Gegenposition. Krüger räumt ein, dass diese Befunde nicht belegen können, dass die Kontakte zu einschlägigen Organisationen und Gesprächskreisen tatsächlich die Berichterstattung beeinflussen; es ist genauso gut möglich, dass die Journalisten dort mitwirken, weil sie entsprechende Meinungen bereits vorher hatten. Dennoch meint er, zumindest eine starke Affinität zwischen den Verbindungen zu „US- und Nato-nahen Organisationen“ und einer mit der Politik dieser Organisationen wohlwollend umgehenden Berichterstattung aufgedeckt zu haben.

          Insofern jedoch eine Kausalität nicht eindeutig nachweisbar ist, bleibt der Ertrag der Studie in diesem Punkt unklar. Um zu wissen, dass ein Journalist wie der „Zeit“-Autor Josef Joffe (der einer der hier untersuchten „Alpha-Journalisten“ ist) nicht zu den hemmungslosen Kritikern der Nato gehört, bedarf es im Grunde keiner Inhaltsanalyse. Diese erlaubt zwar eine detailliertere Beschreibung dessen, was man auch so lesen kann. So mag man zum Beispiel herausfinden, dass Joffe häufiger als sein „SZ“-Kollege Kornelius betont, man müsse das Bündnis mit den Vereinigten Staaten pflegen - aber im Gegensatz zu den anderen Kommentatoren die Welt insgesamt nicht für gefährlich und unübersichtlich hält.

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