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: Unterm Brustbein tickt die Nacht

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Außerhalb ihrer Rollen enttäuschen darstellende Künstler. Wann erleben wir schon einen Glücksfall wie Sean Penn, der in der vergangenen Sonntagnacht den Oscar als bester Hauptdarsteller dazu nutzte, in seiner Dankesrede so couragiert wie der von ihm dargestellte Harvey Milk für die Rechte der Schwulen einzutreten? ...

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          Außerhalb ihrer Rollen enttäuschen darstellende Künstler. Wann erleben wir schon einen Glücksfall wie Sean Penn, der in der vergangenen Sonntagnacht den Oscar als bester Hauptdarsteller dazu nutzte, in seiner Dankesrede so couragiert wie der von ihm dargestellte Harvey Milk für die Rechte der Schwulen einzutreten? Ob Hollywood oder irgendein Provinztheater Deutschlands - die Regel sind tränenreiche, unfreiwillig oder kalkuliert hilflos gestammelte Dankestiraden an Ehepartner und Eltern, Kinder, Regisseure und Produzenten: Durchschnittsmenschen, die außerhalb der Rollenschablonen von wortgewaltigen Lears oder Medeas zu mundfaulen Muffeln oder stotternden Nervenbündeln werden.

          Sich selbst derart bloßzustellen wäre Hildegard Knef nicht passiert. Wir alle haben sie aus zahllosen Talkshows und Dokumentarfilmen, aus ihren Büchern und Artikeln als zwar nervöse, aber wortgewandte, häufig ironische, ebenso oft bierernste, gelegentlich humorvolle, immer aber entschlossene Vertreterin ihrer selbst in Erinnerung. Ihre Autobiographie, der "Geschenkte Gaul", hat weitab vom Rummel, den sie 1970 als Millionenseller auslöste, bleibenden Wert als Zeugnis einer Generation, der das "Dritte Reich" Jugend, Würde und Selbstvertrauen raubte und dann das Wirtschaftswunder als Ersatz Wohlstand und so ängstliche wie selbstzufriedene Spießigkeit bescherte.

          Erschütternd und gnadenlos ehrlich liest sich dieser "Bericht aus einem Leben", dem das Kunststück gelingt, die Ausnahmesituation einer Künstlerin samt Liebes- und Karrierewirren mit dem Alltag irgendeiner jungen deutschen Frau zwischen Krieg und Frieden, Schuldgefühlen und Überlebensglück zu verbinden. Dass Hildegard Knef, wie Petra Roek in ihrer Biographie andeutet, Fiktives in ihren Bericht schrieb, Gehörtes mit Erlebtem mischte und einiges im Dunkeln ließ, ist bekannt. Es macht die Memoiren nicht weniger ergreifend. Was dagegen an Petra Roeks - rechtzeitig als Buch zum Makatsch-Film erschienenem - Band ein schales Gefühl hinterlässt, sind die Bemühungen der Verfasserin, einer späten Freundin und Archivarin der Knef, Widersprüche im Charakter der Knef aufzuzeigen, um sie im selben Moment zu verharmlosen.

          "Sie nahm mit der größten Selbstverständlichkeit (. . .), gab aber nichts zurück. All ihre Gedanken kreisten ausschließlich um ihr eigenes Fortkommen und ihr persönliches Wohlergehen." So beschrieb Maria Milde, eine ehemalige Mitschülerin auf der Schauspielschule, die junge Hildegard Knef. Die wiederum reagierte bei einem Wiedersehen Jahre später demonstrativ spröde. Auch Marlene Dietrich, Freundin Hildegard Knefs seit deren Broadway-Triumph in "Silk Stokings", wurde von ihr abserviert, weil sie es gewagt hatte, die Knef vor einem als Welttournee angekündigten und bald floppenden Comeback-Versuch als Chansonniere zu warnen. Kollegen, Agenten, Freunde - alle konnten heute in der Gunst des Stars stehen und morgen fallengelassen werden. Bedingungslose Gefolgschaft, wenn sie sich nicht umgekehrt vermeintlichen oder wirklichen Koryphäen regelrecht unterwarf, suchte nicht nur die Künstlerin, sondern auch die Frau. Petra Roek zitiert die Selbstzweifel Hildegard Knefs, ihre Reue gegenüber ihren Ehemännern und Liebhabern, deren Geduld und Loyalität sie zwanghaft überforderte.

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