https://www.faz.net/-gr3-s0q3

: Um eins ins Bett

  • Aktualisiert am

WIEN, 26. JanuarDer Druckerpresse des Ueberreuter Verlags in Wien ist soeben frisch eine weitere Biographie Mozarts aus der Feder Brigitte Hamanns entsprungen, der Spezialistin für leicht lesbare Lebensbeschreibungen berühmter Leute, wie Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth, Hitler oder Wagner.

          4 Min.

          WIEN, 26. Januar

          Der Druckerpresse des Ueberreuter Verlags in Wien ist soeben frisch eine weitere Biographie Mozarts aus der Feder Brigitte Hamanns entsprungen, der Spezialistin für leicht lesbare Lebensbeschreibungen berühmter Leute, wie Kronprinz Rudolf, Kaiserin Elisabeth, Hitler oder Wagner. Alle sind gut recherchiert, ohne allzuviel wissenschaftlichen Apparat im Anhang, und auch deswegen Verkaufsschlager, nicht nur in Österreich. Frau Hamann bittet in ihr Wiener Bureau, wo Bücher- und Aktenstapel zu gefährlich schwankenden Höhen aufgetürmt sind. Hier wird gearbeitet, das sieht der Besucher gleich, das nächste Werk scheint schon in Vorbereitung.

          Für die neue Biographie hat Hamann vor allem auf die umfangreiche Briefsammlung der Familie Mozart zurückgegriffen - Schreiben von Wolfgang an Leopold und umgekehrt, an Mutter Anna Maria, an die ältere Schwester Maria Anna (genannt Nannerl), an Freunde und Gönner, kurzum viele Briefe. Immer wieder eingestreut daraus Zitate, die dem Leser auch mal den Alltag im Hause eines Genies im achtzehnten Jahrhundert vorführen wollen. Wie sah denn nun so ein typischer Tag bei Mozart aus? Da wird Frau Hamann berechtigterweise spitzfindig. Es komme darauf an, wann dieser Zeitpunkt anzusiedeln sei, grob könne man unterscheiden zwischen der Zeit vor und nach der Hochzeit mit Konstanze Weber. Eine Feingliederung zerfiele wohl noch in Reisetage während der Kindheit, während späterer Fahrten, in Salzburg, Mannheim, Augsburg, München, Italien, Sachsen oder, wieder unterbrochen durch einige Reisen, zur Wiener Zeit von 1781 bis zum Tode.

          Die Auslandsaufenthalte sind ausführlich genug dokumentiert, da kann man nachschlagen, also dann lieber ein Tag im demnächst als umgestaltetes Museum wiederzueröffnenden einzig erhaltenen Wohnhaus Mozarts in der Domgasse zu Wien, dem Figarohaus, so genannt, weil da die Oper "Le nozze di Figaro" entstand. Hier logierte die Familie von Herbst 1784 bis Frühling 1787. Sohn Carl Thomas, geboren 1784, lebte noch, zwei andere Kinder waren früh verstorben, zwei sollten noch folgen, von denen auch nur Franz Xaver Wolfgang überleben würde; durchaus nicht außergewöhnlich bei den sanitären Verhältnissen der Zeit. Zweieinhalb Jahre an einem Ort stellt an sich schon einen Rekord dar, wechselten die Mozarts doch allein in den zehn Wiener Jahren vierzehn Mal das Quartier, meistens aus finanziellen Gründen. Sie bewohnten die Beletage, Herr Mozart konnte sogar ein Billardzimmer sein eigen nennen, wenn auch ein kleines. Tut nichts, maß er doch selbst kaum einen Meter sechzig. Das Haus war jedenfalls immer voll, immer geschäftig, bei der Familie wohnte etwa auch noch sein Schüler Johann Nepomuk Hummel, Bedienstete und Haustiere (Hündchen und Singvögel).

          Meist stand Wolfgang Mozart um sechs des Morgens auf, ließ sich dann den Zopf frisieren (so er die Zeit dazu fand), schrieb ein wenig seine Kompositionen nieder, dann erfolgte vielleicht ein Ausritt mit dem Pferde (auch dabei schrieb er, aber nur bei Trabtempo), hierauf mußte er bis eins (Klavier-)Stunden geben, hastig essen, danach bei potentiellen Auftraggebern zu Gast sein und öfters am Abend Konzerte geben, um Geld zu verdienen, denn Aufträge für Opern oder Konzerte fanden sich in der Zeit des letzten großen Türkenkrieges kaum. Sein Klavier, an dem Mozart spezielle Umbauten hatte vornehmen lassen, wurde nicht nur einmal durch halb Wien transportiert. Und dann, so behauptete er zumindest in Briefen an den Vater, schreibe er noch vor dem Schlafengehen und komme mit Glück so gegen eins ins Bett.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.