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Pacific Palisades : „Eine gewisse Genugtuung ist das physische Überleben“

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Empfang der deutschen Oscar-Anwärter in der Villa Aurora im Jahr 2016 Bild: Picture Alliance

Im Refugium an der amerikanischen Westküste: Thomas Blubacher erzählt von bekannten und weniger bekannten deutschen Exilanten im kalifornischen Pacific Palisades.

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          Das Bel-Air-Feuer von 1961 war einer der schlimmsten Waldbrände in der dokumentierten Geschichte Kaliforniens. Es zerstörte fast fünfhundert Häuser und verwüstete vierundzwanzig Quadratkilometer Land. Angetrieben von Santa-Ana-Winden, hätte das Feuer beinahe auch ein Gebäude vernichtet, das es in der deutschen Kulturpolitik noch einmal zu Berühmtheit bringen sollte: die Villa Aurora in Pacific Pali­sades, das Heim des zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbenen Schriftstellers Lion Feuchtwanger und seiner Frau Marta. Die Witwe „wässerte das glücklicherweise nicht mit Holz, sondern mit Ziegeln gedeckte Dach, auf das heiße Asche flog. Halb Pacific Palisades drohte ein Raub der Flammen zu werden. Als endlich auch die bis zum letzten Moment ausharrende Marta Feuchtwanger die Feuerwehr anrufen und sich abholen lassen wollte, drehte der Wind.“ In der Sprache Hollywoods nennt man eine solche Rettung eine „last minute rescue“. In diesem Fall waren es die Elemente selbst, die zu Hilfe eilten respektive sich verzogen.

          Thomas Blubacher, der in seinem Buch über Pacific Palisades vom Bel-Air-Feuer im Tonfall eines versierten Salonplauderers berichtet, hat später auch persönlich von der Rettung des Gebäudes profitiert. Er war zu Beginn der Nullerjahre Stipendiat in der Villa Aurora, die inzwischen als Künstlerresidenz von der Bundesrepublik Deutschland betrieben und unterstützt wird. Die Idee zu seinem Buch geht auf diese Zeit persönlicher Anschauung zurück, als Blubacher, Schweizer Theatermacher und Sachbuchautor, in Pacific Palisades einige der letzten Zeitgenossen der vielen Exilierten traf, die in den Dreißiger- und Vierzigerjahren nach Kalifornien gekommen waren. Thomas Mann, Arnold Schönberg, Salka Viertel, Max Reinhardt, Leonhard Frank, Emil Ludwig, das sind nur ein paar der Namen einer vielfältigen Gemeinde von Ausgewanderten, von denen einige der wichtigsten in Pacific Palisades ein Domizil fanden.

          Religiöser Eifer und bodenspekulatives Interesse

          Von ihnen erzählt Blubacher in seinem kurzweilig geschriebenen Buch. Den Untertitel löst er dabei streng genommen nicht oder nur zum Teil ein. Das hat mit der besonderen Perspektive zu tun, die er gewählt hat, denn einerseits versucht er, so etwas wie eine Biographie des Örtchens zu schreiben, das sich neben Beverly Hills (wo die reichen Leute wohnen) und Malibu (Ort der Berühmten) als die Heimat der Glücklichen versteht (sofern man geneigt ist, der in dieser Frage naturgemäß befangenen „Palisadian Post“ zu folgen). Die Beschränkung auf Pacific Palisades, die Blubacher allerdings auch nicht ganz strikt nimmt, hindert ihn an einer Darstellung der Erfindung Hollywoods, die mehr wäre als nur ein Seitenstrang. Da verspricht er also ein bisschen zu viel. Andererseits ist auch die Frage, worin das Erbe des Exils besteht, von dem im Untertitel die Rede ist, nicht leicht zu beantworten. Es bedürfte dazu einer Erörterung, sofern man sich nicht für die praktische Lösung entscheidet, der zufolge das Erbe des Exils eben in der Villa Aurora besteht, wodurch Thomas Blubacher als Stipendiat selbst zu einem Erben wird.

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