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Studie über Konservatismus : Ohne Inhalte regiert es sich besser

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Neun Jahre nach der „Wende“: die Outsiderin Angela Merkel, damals Bundesfrauenministerin, und der föderale Insider Helmut Kohl 1991 auf dem CDU-Parteitag. Bild: dpa

Defizite, die vielleicht ja doch ein Vorteil sind: Thomas Biebricher sorgt sich um den Zustand des deutschen Konservatismus und wirft einen Blick auf die Ära Kohl. Eine wunderbar lesbare Studie.

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          Was macht eigentlich ...? Wer so fragt, liefert mit der Frage auch immer schon eine „Lange nichts mehr gehört von“-Diagnose mit. Konservative sollten sich also sorgen, wenn man sich so um sie sorgt wie Thomas Biebricher in „Geistig-moralische Wende. Die Erschöpfung des deutschen Konservatismus“. Und richtig, was sich schon im Titel ankündigt, formt sich dann nach gut dreihundert Seiten einerseits Debattenrekonstruktion, andererseits nacherzählter politischer Ereignisgeschichte seit 1982, dem Geburtsjahr ebenjener titelgebenden geistig-moralischen Wende, auch in den Schlussfolgerungen zu einem insgesamt eher ernüchternden Bild: „bedenklicher Zustand“, „mit Händen zu greifende Verflachung“, „weitgehende Austrocknung der substantiellen Sinnreservoire“, „Entsubstanzialisierung“. Und so weiter.

          Die Motivlage, noch einmal vorbeizuschauen beim deutschen Konservatismus, legt der Autor gleich zu Beginn offen. Mit Blick auf die in den Vereinigten Staaten von einem Troll gekaperte Grand Old Party, auf die in den Brexit-Wirren hoffnungslos zerstrittenen Tories oder auf die in den letzten französischen Präsidentschaftswahlen spektakulär pulverisierte bürgerliche Rechte (ganz zu schweigen von der Vulgarisierung dieses Lagers unter Berlusconi und seiner dann irgendwie folgerichtigen Substituierung durch einen Matteo Salvini) hält Biebricher auch für Deutschland ein Umschlagen des organisierten Konservatismus in den autoritären Populismus nicht für völlig ausgeschlossen.

          Merkels Politikmodus als Antwort auf den Populismus

          Die Sorge, die den Autor umtreibt, ist also die, wie gut und wie lange noch sich hierzulande eine respektable Rechte gegen einen despektierlichen Rechtspopulismus wird halten können. Der Ausblick fällt angesichts der weitgehenden Inhaltsleere, die der Autor dem deutschen Konservatismus attestiert, zunächst nicht sonderlich optimistisch aus.

          Thomas Biebricher: „Geistig-moralische Wende“. Die Erschöpfung des deutschen Konservatismus. Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2018. 320S., geb., 28 Euro.

          Das muss nun aber nicht gleich, wie es leicht marktschreierisch auf dem Buchrücken heißt, in die These einer „grundsätzlichen Neuordnung der Demokratie in Deutschland“ münden – eine These, die im Text selbst gar nicht systematisch entwickelt wird. Denn ganz am Ende sieht Biebricher gerade in dem routinehaften, unaufgeregten Abarbeiten der Problemberge‚ also in einem „inhaltlich verschlankten Prozeduralkonservatismus“, einen Hoffnungsstreifen.

          Nur, dass ja genau damit derjenige Politikmodus der Kanzlerin recht gut beschrieben ist, der vielen Konservativen eher wie ein kompassloses, rein umfragegetriebenes Wurschteln und damit als eigentliche Ursache der gegenwärtigen Probleme dieses Milieus vorkommt. Die Bedrohung durch den Rechtspopulismus wird man zumindest nur schwerlich allein als exogenen Schock verstehen können, sondern in einem erheblichen Maß auch als endogenes Hervorbringsel genau jener Regierungspraxis, die der Autor am Schluss als Lösung präsentiert. Regiert es sich aber inhaltsleerer umso unbeschwerter, warum stellt dann intellektuelle Verflachung überhaupt eine Defizitdiagnose dar, auf deren Nachweis man viele analytische Mühen verwenden muss?

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