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Thomas Asbridge: Die Kreuzzüge : Quecksilberwickel für die Christenritter

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Thomas Asbridge: Die Kreuzzüge Bild:

Von klaren Fronten und Motiven in einem Kampf des Westens gegen den Orient konnte schon damals keine Rede sein: Thomas Asbridge dröselt Politik und militärische Strategien der Kreuzzüge auf.

          Sultan Saladin nannte sich stolz „Sultan des Islams und der Muslime“. Als er am 2. Oktober 1187 den Widerstand der Lateiner gebrochen hatte und nach Jerusalem vorgedrungen war, wies er einen von den Christen geforderten Unterwerfungsvertrag mit den Worten zurück: „Weder Sicherheit noch Gnade für euch! Unsere ganze Leidenschaft ist, euch ewige Erniedrigung zu bereiten. Morgen nehmen wir euch im Sturm, morden und machen viele Gefangene unter euch, vergießen das Blut der Männer und schleppen Frauen und Kinder in Knechtschaft!“

          Er habe sich, wie Zeitgenossen berichten, dann jedoch davon überzeugt, dass die Gegner noch in der Lage waren, die Moschee auf dem Tempelberg zu zerstören und Tausende versklavte Muslime zu töten. So gewährte er den Christen gegen Lösegeld freien Abzug. An seiner Selbstverpflichtung hielt er auch fest, als manche seine Großmut missbrauchten; der Patriarch von Jerusalem soll sogar die Goldplatten und Silberarbeiten der Auferstehungskirche abmontiert und mitgeschleppt haben, obschon diese Gegenstände offensichtlich nicht zu seiner mobilen Habe gehörten.

          Gegenmythos von Saladin

          Als Erster hat wohl Voltaire Saladins Milde rühmend dem hemmungslosen Morden gegenübergestellt, das die christlichen Kreuzzügler bei der Eroberung der Stadt 1099 verübt hatten. Lessing hat das rezipiert, während Friedrich Schiller, der kritische Universalhistoriker, 1790 deutliche Vorbehalte gegen eine Glorifizierung des Sultans von Ägypten hegte. Der Saladin-Mythos (“der edle Heide“), dem erst die Romantik zum Durchbruch verhalf, hatte jahrhundertelang keine Parallelen in der muslimischen Welt, bis Kaiser Wilhelm II. 1898 am Grab des Ajjubiden in Damaskus einen Bronzekranz niederlegte und muslimische Dichter zur Wiederentdeckung des Sultans bewegte.

          Während Lloyd George den Ersten und General Eisenhower den Zweiten Weltkrieg als „großen Kreuzzug“ bezeichneten, förderte die Gründung des Staates Israel, die als „Pakt zwischen Imperialismus und Zionismus“ und Ergebnis einer „Neuauflage der Kreuzzüge“ (Gamal Abdel Nasser) verstanden wurde, den Gegenmythos von Saladin als muslimischem Befreier. In unserer Zeit ließen sich die Staatenlenker Hafiz al-Assad in Syrien und Saddam Hussein als zweite Saladins propagieren, zumal der Iraker darauf hinweisen konnte, wie der Kurde Saladin aus Tikrit zu stammen. Keine Worte muss man darüber verlieren, dass der amerikanische Präsident George W. Bush 2001 Al Qaida in die Hände spielte, als er seinen „Krieg gegen den Terrorismus“ einen „Kreuzzug“ nannte.

          Kampf zwischen Orient und Okzident unvermeidlich

          Mythen und jeglicher Instrumentalisierung von Geschichte zu ideologischen Zwecken entgegenzutreten ist Aufgabe der Geschichtswissenschaft, und so sind Historiker in aller Welt seit dem 11. September darum bemüht, die These vom unvermeidlichen Kampf des Westens gegen den Orient und einer ungebrochenen Tradition von Kreuzzügen der Christen gegen die Muslime zu widerlegen. Der junge Londoner Mediävist Thomas Asbridge hat dies in einer dickleibigen Geschichte der Kreuzzüge getan, die das Geschehen zwischen 1096 und 1291 durch einen ständigen Perspektivenwechsel zwischen beiden Parteien beleuchtet. Begünstigt war sein Vorhaben dadurch, dass sehr viele arabische Quellen inzwischen in englischen Übersetzungen vorliegen.

          Nicht nur die Lateiner, auch die Araber und später die Türken ließen sich in den jahrzehntelang unterbrochenen Kampagnen von höchst unterschiedlichen Motiven leiten, von religiösen Antrieben ebenso wie vom Macht-, Gewinn- und Ruhmstreben, und niemals standen sich Christen und Muslime militärisch und politisch geschlossen gegenüber. Andererseits lebten die Angehörigen der verschiedenen Religionen in der Levante so eng miteinander, dass kultureller Austausch unvermeidlich war.

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