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Tanja und Johnny Haeusler: Netzgemüse : Kapitulation in der Kindererziehung ist nicht notwendig

  • -Aktualisiert am

Wissen war Macht? Tanja und Johnny Haeusler versuchen sich als Erzieher der digitalen Jugend.

          2 Min.

          In der Netzwerkwelt sind die Eltern die Ausgeschlossenen: Die Heranwachsenden leben in einer Welt, die ihre Eltern nicht kennen, erst recht nicht aus eigener Kindheitserfahrung. Überall Computer, an Fernsehgeräten, auf Schreibtischen und in Hosentaschen. Statt zu Hause Zeitschriften und Fernsehen zu haben, um in der Schule darüber zu tratschen, ist der Schulhof per Internet heute überall und das eigene Jugendzimmer als Youtube- und Facebookprofil erst recht. Die digitalen Experten sind die Jugendlichen selbst, die bei Fragen nicht die Eltern um Hilfe bitten. Sie suchen die Lösungen gleich dort, wo auch die Probleme auftreten: im Netz.

          Dennoch ersetzt das Internet die Familie nicht. Nur - wie soll man klarkommen, in dieser unversöhnlich zweigeteilten Welt, in der Eltern nicht mehr in der Lage sind, zu unterscheiden, ob ihr Kind gerade „Angry Birds“ spielt oder Spanisch lernt? Beides bietet ihnen dasselbe Bild: „Ein vornüber geneigter Kopf, aus dem ein Augenpaar auf ein glänzendes Brikett herabblickt.“ Das Handy als „Pandoras Wundertüte“ - das macht Probleme kompliziert und einfache Antworten unmöglich. Tanja und Johnny Haeusler versuchen es trotzdem.

          „Unsere Medien sind tot“

          Ihre Beobachtungen über das Aufwachsen des „Netzgemüses“ richten sich an Schicksalsgenossen mit Kindern im smartphonefähigen Alter. Dabei verletzt ihr Buch aber die gängigen Regeln des Ratgebergenres. Die Eltern zweier Söhne verzichteten auf wissenschaftliche Beweisführungen und analysegestützte Anweisungen. Stattdessen schreiben sie über ihren Alltag, in dem Computer weder verteufelt noch verherrlicht werden, sondern schlicht nicht wegzudenken sind.

          In ihm gelten neue Regeln. Eine lautet „Wissen war Macht“. Der internetkundige Zögling - der glaubt, ein Computer sei kaputt, wenn er die Verbindung zum Internet verliert - kann sich heute schließlich über alles informieren. Aber wem kann er vertrauen? Im Fernsehzeitalter sei es einfach gewesen. Es gab wenige Wissensquellen, die hatten allerdings Renommee. Doch nicht nur das Fernsehen ist von gestern, „unsere Medien sind tot“, behaupten die Autoren. Jugendliche akzeptierten nicht nur das Prinzip von Sendezeiten nicht mehr, sondern hätten auch keinen Sinn mehr für das klassische Programm. Wenn sie gemeinsam lachen wollen, gehen sie zu Youtube - und wünschen sich zu Weihnachten eine eigene Kamera.

          Zeitfresser und Kulturarchiv

          Die neue Medienwelt mache Kinder zu hyperaktiven Mitmachern. Für Eltern gehe es aber nicht nur darum, Kinder vor den Folgen, etwa den neuen Formen des Mobbings, zu schützen. Ebenso besteht eine erzieherische Aufgabe darin, zu beobachten, wer nicht alles auch Täter wird. Ähnliches gelte für Pornographie und Gewalt im Netz. Zwar sind die technischen Möglichkeiten, Jugendliche davor zu bewahren, auf kurzen Wegen „Schutzräume“ zu verlassen, sehr ausgereift. Aber wie wenig wurde bisher darüber nachgedacht, was Jugendliche mit den Kameras ihrer Smartphones filmen?

          “Die Mixtur aus Einmischen und Einsicht“ müsse stets neu dosiert werden. Dem feinen „digitalen Orientierungssinn“ netzaufgeklärter Eltern stünden nämlich keine alternativen radikalen Erziehungsmethoden gegenüber, sagen die Autoren. Verböte man der Jugend pauschal den Zeitfresser Internet, enthielte man ihr zugleich den Zugang zum reichhaltigen „Kultur- und Volkskundearchiv“ vor und verweigerte ihr ebenso die soziale Teilhabe an der digitalen Gesellschaft.

          Zwar bilden sich deren normative Regeln gerade erst heraus, doch könne man sich doch sicher sein, dass es sich um die Gesellschaft handele, auf die die Jugend vorzubereiten ist. Aufmerksamkeit und Interesse sind auch morgen noch die Tugenden guter Kindererziehung. Nur wird nun nicht mehr gemeinsam ferngesehen, sondern Computer gespielt. Aber auch da bleibt es beim Alten: Der wahre Ernst des Lebens wird am besten im Spiel gelernt.

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