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Stephen Hawking und Leonard Mlodinow: Der große Entwurf : Kein Schöpfer fühlt sich im Universum zu Hause

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Warum gibt es etwas und nicht etwa nichts? Warum existieren wir? Warum gelten die uns bekannten Naturgesetze und nicht andere? In seinem diese Woche erscheinenden Buch „Der große Entwurf“ wird der prominente Astrophysiker Stephen Hawking zum Philosophen.

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          Auf einer von den Jesuiten 1981 im Vatikan ausgerichteten Konferenz hielt auch der an den Rollstuhl gefesselte Kosmologe Stephen Hawking einen Vortrag. Er sprach unter anderem über die Möglichkeit, dass die Raumzeit endlich sei, aber keine Grenze habe, was bedeuten würde, dass es keinen Anfang, keinen Augenblick der Schöpfung gibt. Heute stellt sich für Hawking mehr denn je die Frage, ob das Universum eines Schöpfers bedarf, ob es sich denn nicht selbst geschaffen habe.

          Die Antwort auf die Frage nach Gott sucht er in der Vereinigung von zwei voneinander unabhängigen Theorien, von denen eine - Einsteins allgemeine Relativitätstheorie - hauptsächlich die Makrowelt beschreibt, in der die von großen Massen bewirkte Krümmung des Raums tonangebend ist. Die andere - die Quantentheorie - beschäftigt sich dagegen mit der Welt des Allerkleinsten. Dort, wo eine riesige Masse auf engstem Raum vereint ist, also zum Beispiel kurz nach dem Urknall, reicht eine der beiden Theorien allein zur Beschreibung der Verhältnisse nicht aus.

          Die Gravitationskraft bleibt immer noch außen vor

          Mit seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ hat sich Hawking 1988 durch klare Worte weltweit eine große Fangemeinde geschaffen, der er - nach mehreren anderen Büchern - mit „Der große Entwurf“ eine würdige Fortsetzung vorlegt. Zusammen mit dem Physiker Leonard Mlodinow führt Hawking mit einem genialen Gedanken in die Schwierigkeiten der Astrophysiker ein: Die modernen physikalischen Theorien lassen sich nicht mehr wie bei Newton auf das reduzieren, was man sieht. In der Quantenphysik trifft man auf Heisenbergs Unschärferelation, die besagt, dass man den Ort eines Teilchens, dessen Geschwindigkeit man genau gemessen habe - oder umgekehrt -, nur noch „unscharf“ ermitteln kann. Und ein Teilchen, das sich eigentlich nicht von A nach B bewegen kann, tut es doch, indem es die trennende Barriere einfach „durchtunnelt“.

          Der klügste Schachzug Hawkings besteht darin, die Aussage des Welle-Teilchen-Dualismus zu verallgemeinern. Bekanntlich ist ein Photon, ein Lichtteilchen, mal tatsächlich ein Teilchen und dann wiederum nur eine Welle. Es gibt zwei unterschiedliche Beschreibungen, die nie gleichzeitig zutreffen und doch beide „richtig“ sind. So müsse man sich das auch mit der sogenannten Theorie von Allem vorstellen, der die Physiker hinterherjagten. Der Physik sei es mit den Feldtheorien - der Quantenelektrodynamik etwa und der Quantenchromodynamik - gelungen, mehrere im heutigen Universum voneinander unabhängige Kräfte zu vereinen, die Gravitationskraft aber bleibe immer noch außen vor.

          Ein Staubsaugervertreter hätte nicht besser argumentieren können

          Mit einer Erweiterung des Standardmodells der Physik sei diese Vereinigung nicht möglich. Deshalb seien die Stringtheorien entwickelt worden, in denen Teilchen durch Strings (Saiten) abgelöst worden seien. Zwar könne keine der Stringtheorien alles erklären, aber mit der Vereinigung dieser Theorien in der sogenannten Superstringtheorie oder auch M-Theorie stünde wahrscheinlich schon die Theorie von Allem parat.

          Ein Staubsaugervertreter hätte nicht besser argumentieren können. Denn der Hinweis auf den Welle-Teilchen-Dualismus klingt so überzeugend, dass alles Störende dabei leicht übersehen wird. Zum Beispiel, dass die M-Theorie in den vergangenen Jahren viele Anhänger unter den Physikern verloren hat. Solange die Theorie noch nicht weit genug untermauert ist, lässt sich über ihre tatsächliche Anwendbarkeit noch nichts Abschließendes sagen. Hawking hat sich auf ihre Seite geschlagen, aber das letzte Wort ist noch längst nicht gesprochen.

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