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Stefan Smid: Der Spanische Erbfolgekrieg : Das Ballett der Mächte und Schlachten

Solche Sätze und die aus ihnen erwachsenden Schlachtbeschreibungen sind das Problem dieses Buchs. Denn es ist eine Sache, Geschichte wie ein Wimmelbild auszumalen, und eine andere, sie erzählend gegenwärtig zu machen. Tatsächlich sind bei Malplaquet, Lille, Denain und an anderen Schauplätzen dieses großen europäischen Kriegs - mit Smid angesichts einiger bedeutungsloser Scharmützel in Indien und Nordamerika von einem „Weltkrieg“ zu sprechen, erscheint übertrieben - jeweils tausende Soldaten nach rechts oder links marschiert und haben sich dabei gegenseitig mit Musketenkugeln und Bajonetten massakriert. Interessant daran ist aber nicht die Frage, ob das im Bois du Sars oder an der Kleinen Gete geschah, sondern warum, beispielsweise, die alliierte Seite fast immer gewann.

Das Gemetzel als eine Art Ballett

Auch dazu kann man bei Saint-Simon manches Aufschlussreiche lesen. So mussten sich die französischen Marschälle die Gunst, auch in der kommenden Saison die Armee anführen zu dürfen, stets von neuem bei Hof erschmeicheln oder ertrotzen, während die alliierten Heerführer Marlborough und Prinz Eugen acht Jahre lang ein verlässliches Gespann bilden konnten. Dass auch dafür diplomatisches Geschick nötig war, deutet Smid zwar an, aber was er über die politischen Kräfte im Londoner Unterhaus und in der Umgebung der englischen Königin Anne mitteilt, hat Winston Churchill durchweg einleuchtender geschildert. Auch über die Gemengelage im Wiener Hofkriegsrat erfährt man bei Smid viel zu wenig.

Die Besonderheiten der klassischen Linientaktik, bei der das Salvenfeuer aus den Vorderladern im Lauf des Gefechts immer ungenauer und zuletzt wirkungslos wurde, arbeitet Smid ebenfalls nicht klar heraus. Marlborough etwa war ein Meister darin, die Mängel der barocken Waffentechnik für seine Zwecke zu nutzen. Oft gelang es ihm, seine Bataillone mitten im Gefecht so umzugruppieren, dass er mit frischen Truppen angreifen konnte, während die Franzosen mit erschöpften Einheiten kämpften, ohne ihre Reserven einsetzen zu können. Das Gemetzel der Rot- und Blauröcke war eben auch eine Art Ballett, bei dem die bessere Choreographie den Sieg davontrug.

Der längste und teuerste aller Kabinettskriege

Der Spanische Erbfolgekrieg entsprang einem inneren Widerspruch in der Politik der europäischen Dynastien. Um ihre Ansprüche abzusichern, heirateten die großen Häuser untereinander; zugleich führten die wechselseitigen Verschwägerungen zu langwierigen Erbstreitigkeiten. Als der spanische König Karl II. im Jahr 1700 kinderlos starb, gab es zwei Anwärter auf seinen Thron, einen französischen und einen habsburgischen. Die Aufteilung des Erbes, die sich bei Kriegsbeginn abgezeichnet hatte, wurde von Paris und Wien hintertrieben, erst die finanzielle Erschöpfung zwang die Gegner an den Verhandlungstisch. Der wahre Gewinner des zwölfjährigen Ringens war England, das mit der Eroberung Gibraltars seine Seeherrschaft im Mittelmeer begründete. Die Niederlande wurden mit einigen flandrischen Festungen abgefunden, die sie schon bald wieder verloren.

Eine Gesamtdarstellung dieses längsten und teuersten aller Kabinettskriege hätte das Netz aus Bündnissen, Verwandtschaften, brüchigen und stabilen Legitimitäten beleuchten müssen, das die europäische Staatenwelt am Ausgang des siebzehnten Jahrhunderts überzog. Smid dagegen beschränkt sich darauf, aus dem Tohuwabohu der Schlachten und Belagerungen gelegentlich in die beteiligten Hauptstädte herüberzuschwenken. Im Knattern seiner Zahlen- und Namenssalven verflüchtigt sich das Panorama der Vergangenheit, der „Krieg der Maulwürfe“, der Festungsbauer, Mineure und Fourageure mündet in die Maulwurfsarbeit des Lesens.

Unlektoriert in Druck gegangen

Der gewichtigste Einwand gegen dieses Buch ist seine sprachliche Form. Smids Manuskript ist offensichtlich unlektoriert in Druck gegangen. Anders lassen sich die Fehlschreibungen, verstümmelten Sätze und falschen Anglizismen, von denen der Text wimmelt, nicht erklären. Dass ein renommierter Verlag wie Böhlau ein solches Projekt ohne Korrekturen auf den Markt wirft, ist nicht dem ökonomischen Druck geschuldet, der auf der Branche lastet, sondern pure Schlamperei. Von der französischen Kavallerie im Feldzug von 1706 heißt es bei Smid, sie sei „mangelhaft ausgerüstet und vor allem schlecht equipiert“ gewesen. Das gilt auch für diesen Band.

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