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Stefan Frank: Die Weltvernichtungsmaschine : Das mit den Risikoklassen war nicht übel

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Bild: Conte Verlag

Stefan Frank, Mitarbeiter der Zeitschrift „konkret“, hat mit lakonischem Humar und beachtlicher Sachkenntnis ein Buch zur Wirtschaftskrise geschrieben.

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          Stefan Frank ist einer der klügsten Mitarbeiter der linksradikalen Zeitschrift „konkret“. Doch sein Buch liest sich wie die Artikelserie aus einer ordoliberalen Wirtschaftszeitung. Franks lakonischer Humor muss den Tatsachen der Wirtschaftskrise wenig hinzufügen, um den Leser zu erheitern.

          Die ersten Kapitel seiner Analyse beschreiben den Zyklus von Aufschwung und Pleite anhand historischer Immobilienkrisen. Dann zeichnet Frank die Chronik der aktuellen Ereignisse nach: von ersten Berichten über gehäufte Zahlungsausfälle bei amerikanischen Hypotheken bis zur Weigerung des deutschen Finanzministers im August 2008, die Schwere der Probleme einzugestehen.

          REITs, CDS und CDOs

          Frank macht die Finanzinstrumente verständlich, die den Aufschwung der vergangenen Jahrzehnte ermöglichten und den Niedergang ausgelöst haben, von Futures auf Devisen, Aktien, Anleihen oder sogar auf Zinssätze und Indizes über Schrott-Anleihen, REITs, Asset Backed Securities, Kreditausfall-Versicherungen (CDS), das Bündeln von Anleihen und ihr Strukturieren in Risikoklassen (CDOs) bis zu synthetischen Anleihen.

          Die Namen dieser Spielarten des Risikomanagements und der Spekulation klingen exotisch. Frank schildert, warum diese Instrumente entstanden sind und wie sie funktionieren – nicht ohne Bewunderung für den Erfindungsreichtum der Finanzingenieure. Das Verhältnis von Informationsertrag und Lektüreaufwand ist für den Leser sehr günstig.

          Minsky plus Marx

          Franks Erklärung des kreditgetriebenen Aufschwungs und Niedergangs der Finanzmärkte folgt der Krisentheorie von Hyman Minsky. Vom Marxismus übernimmt Frank die mit Minsky geteilte Überzeugung, dass Krisen der kapitalistischen Kreditdynamik nicht äußerlich, sondern wesentlich seien.

          „Eine Rezession beseitigt die Fehler des Booms.“ Dieser Satz soll den Unsinn der Rettungspakete und Konjunkturprogramme entlarven. Auch Staaten können sich an Schulden überheben. Frank fordert deshalb die Mobilisierung privater Spender, etwa durch „Benefizkonzerte mit Herbert Grönemeyer, BAP und Peter Maffay“. Solche Ironie ist natürlich nicht der erwartete „linke“ Debattenbeitrag zur Zukunft des Kapitalismus. Warum auch? Gegen den Kapitalismus treten heute ohnehin die konservativen Sozialrevolutionäre in den Regierungen und ihre Wirtschaftsfachleute an.

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