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: Sprachmüllmann

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Hier haben wir ein weiteres Buch über die Pflege der deutschen Sprache, aber ein anderes: eines, das jeden Anglizismus furchtlos willkommen heißt, das Dativ und Genitiv gleichermaßen schätzt, das überhaupt in Ausdrucksfragen große Gerechtigkeit walten lässt. Wohlwollend nimmt es sich der Freudschen Fehlleistung ...

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          Hier haben wir ein weiteres Buch über die Pflege der deutschen Sprache, aber ein anderes: eines, das jeden Anglizismus furchtlos willkommen heißt, das Dativ und Genitiv gleichermaßen schätzt, das überhaupt in Ausdrucksfragen große Gerechtigkeit walten lässt. Wohlwollend nimmt es sich der Freudschen Fehlleistung an, steht verzaubert vor der fremden Schönheit des Übersetzungsfehlers, der den uninspirierten, Verständnis heischenden Leser brüsk zurückstößt, sucht den hermetischen Sinn hinter der Rhythmik retardierenden Stotterns. Axel Hacke, Kolumnist der "Süddeutschen Zeitung" und des "Tagesspiegel", sammelt semantischen Nonsens wie ein Grundschüler Salatschnecken. Und er pflegt ihn, weil jederzeit eine ungeahnte Bedeutung auftauchen könnte, für die dann sogleich ein Wort zu ihrer Bezeichnung bereitstünde: Sprachmüll wird zum wertvollen Rohstoff. Man findet ihn als "Pilaf mit Leber und Wahnsinnigen" in Speisekarten anatolischer Restaurants, als "Aufstellungsort des Seins" in liegengebliebenen Reiseprospekten, in doppelt rückübersetzten Bedienungsanleitungen und dem achtlos hingeworfenen Silbenrätsel des Kindes. Der geduldige Sprachenthusiast Hacke lotet auch die unwahrscheinlichsten Konnotationen des Politikerjargons aus, bis dass in dem im Weltenwind klappernden Zeitfenster niemand anders als Superman erscheint. Lehrreich auch ein Blick in die lautschriftlichen German Phrase Books, die den amerikanischen Soldaten bei der Eroberung Nazi-Deutschlands die Konversation mit dem Feind erleichtern sollten. "MA-khen zee ess zish B'K-VAYM" und "er-GAY-ben zee zish" den Wundern des Verbalrecycling. (Axel Hacke: "Wortstoffhof. Sprachgeschichten von Äh bis Zeitfenster." Verlag Antje Kunstmann, München 2008. 224 S., geb., 16,90 [Euro].) brey

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