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Sprache und Ideologie : Links ist man höflich, rechts wird gekämpft

  • -Aktualisiert am

Glaubt man Henning Lobin, ziehen hier Verfechter politischer Korrektheit im Namen des Respekts gegen problematische Namen zu Felde. Bild: Picture-Alliance

Wenn Genderkritik unter Generalverdacht und ideologische Quarantäne gestellt wird: Henning Lobin, der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, leistet sich eine überaus fragwürdige Streitschrift.

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          Die deutsche Sprache wird politisch in­strumentalisiert. Und zwar von der Neuen Rechten. Das ist die zentrale These in Henning Lobins „Sprachkampf“. Wer angesichts von Gendersternen, umbenannten Mohrenstraßen, sprachlich „gesäuberten“ Donald-Duck-Heften und der Anschwärzung des „Schwarzfahrens“ den Eindruck hat, es sei doch eher das linke Spektrum, das der Sprache seinen politischen Stempel aufdrückt, den will der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache eines Besseren belehren. Die titelgebende Metapher durchzieht die gesamte Darstellung und gibt ihr eine dramatische Note: Bei Lobin finden „Schlachten“ statt, in denen „Truppen“ aufeinandertreffen, er lädt zu „Frontbesichtigungen“ ein und präsentiert „Aufmarschgebiete“.

          Die Neue Rechte – ein unklar definiertes Spektrum, das bei Lobin von konservativ-demokratischen bis zu rechtsextremistischen Positionen reicht – kämpft in diesem Szenario mehrere sprachpolitische „Schlachten“. Zu ihnen zählt der Autor die Forderung, Deutsch ins Grundgesetz aufzunehmen, die Ablehnung des Genderns, die Kritik an der politischen Korrektheit, den Widerstand gegen die Anglisierung des Deutschen sowie den – inzwischen weitgehend erlahmten – Kampf gegen die Rechtschreibreform. Nun kann man über den Sinn oder Unsinn all dieser sprachpolitischen Standpunkte streiten, aber keiner ist für sich genommen „rechts“.

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