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: So ißt die Hauptstadt

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Hier tranken Bill Clinton und Arthur Miller ihren Kaffee, Schröder aß Schnitzel, Merkel nahm Tee, und Leute wie Karasek oder Wenders gehören längst zum Mobiliar: Grund genug für den Chef des jetzt schon legendären "Café Einstein Unter den Linden" in Berlin, das große Treiben dort in einem Buch festzuhalten.Von Peter Richter Fleischpflanzerln mit Wirsinggemüse und Kartoffelpüree.

          Hier tranken Bill Clinton und Arthur Miller ihren Kaffee, Schröder aß Schnitzel, Merkel nahm Tee, und Leute wie Karasek oder Wenders gehören längst zum Mobiliar: Grund genug für den Chef des jetzt schon legendären "Café Einstein Unter den Linden" in Berlin, das große Treiben dort in einem Buch festzuhalten.

          Von Peter Richter Fleischpflanzerln mit Wirsinggemüse und Kartoffelpüree. So ging das schon wieder los diese Woche. Eine typische Einsteinwoche. Das war das sogenannte Tagesgericht am Montag. Dienstag gab es Kalbsrollbraten mit Champignons und Nockerln, und dann ging das immer so weiter bis gestern zum Loup de Mer in Weißweinsauce.

          Es gibt Kollegen, die gehen täglich hin. Gemessen an dem, was auf der regulären Karte steht, dem Saftgulasch oder dem Tafelspitz, sind die Tagesgerichte sogar das, was man preisgünstig nennt. Trotzdem habe ich irgendwann gesagt: Freunde, ich mache das nicht mehr mit, das Essen ist zwar fein, und wenn man häufig genug kommt, begrüßt einen der nette Herr Wollstein mit Namen und Handschlag und setzt einen auf eine von den Lederbänken in der Farbe von Karamelbonbons - aber wenn ich jeden Tag hier Mittag esse, dann könnten sie mein Gehalt gleich direkt ans "Einstein" überweisen. Außerdem behauptet das Café von sich selbst, der "Caféhausbesitzer, Künstler und Galerist Gerald Uhlig hat mit dem Einstein Unter den Linden ein ,begehbares Kunstwerk' geschaffen (Der Spiegel), das sich zum Treffpunkt von Wirtschaft, Politik, Medien und Kultur entwickelt hat" - und ich fand das ein bißchen anstrengend, in begehbaren Kunstwerken nun auch noch meine Mittagspause zu verbringen. Daß man Fleischpflanzerln in Berlin unkomplizierter dort ißt, wo sie noch Buletten heißen. Und daß man überhaupt mittags lieber Sport treibt statt dessen. Sandsack statt Sandwich.

          Während die anderen ins "Einstein" gingen, ging ich ins Fitness-Studio. Wer aber müde an den Schreibtisch zurückschlich, war ich, während die Kollegen noch munterer aus dem "Einstein" kamen, als sie hingegangen waren. Sauberer kann man sich gar nicht ins eigene Knie schießen. Wer in den Medien arbeitet, mittags aber nicht ins "Einstein" geht, der mobbt sich im Grunde genommen selber: Hier sitzen sie ja wirklich immer alle. Die ganz geheimen Vertraulichkeiten werden in Berlin immer noch am liebsten dort besprochen, wo diejenigen, die sie am wenigsten hören dürfen, direkt am Nachbartisch sitzen. Das ist der Trick! Hier werden Abwerbeverhandlungen Rücken an Rücken zum Noch-Arbeitgeber geführt und Intrigen gleich in Anwesenheit derer geschmiedet, die es dann betrifft. Über den Stammgästen hängen neuerdings Fotos der Stammgäste. Man braucht also keinen Alkohol mehr, um doppelt zu sehen. Noch verwirrender: Wenn man statt ins "Einstein" ins "Borchardt" geht, sitzen dort genau dieselben Leute nochmal. Es gibt zum "Einstein" Unter den Linden eigentlich nur eine Alternative: das "Einstein" in Tiergarten. Das Stammhaus. Das ist noch schöner, aber kein "begehbares Kunstwerk", wo sich dauernd Prominente aus Politik, Kultur und Medien treffen. Dort hat man Ruhe vor ihnen. Dort könnte man endlich nachlesen, was sie Gerald Uhlig so alles in sein Fotogästebuch geschrieben haben.

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