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: So ging's zu bei Hofe

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Werner Paravicini, Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Paris, Vorsitzender der Residenzkommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, erklärt im Vorwort, wissenschaftliche Arbeit beginne in der Regel mit Definitionen, die jetzt aber nicht gegeben werden sollten, weder für Dynastie noch für Hof, noch für Residenz.

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          Werner Paravicini, Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Paris, Vorsitzender der Residenzkommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, erklärt im Vorwort, wissenschaftliche Arbeit beginne in der Regel mit Definitionen, die jetzt aber nicht gegeben werden sollten, weder für Dynastie noch für Hof, noch für Residenz. "Daß manche statt Residenz lieber Herrschaftsmittelpunkt, zentraler Ort, Hauptstadt, Hauptort sagen und zwischen diesen Begriffen wiederum fein unterscheiden, ist hinreichend bekannt." Allerdings wurde es dann doch für erforderlich befunden, dieses Problemfeld in einem eigenen Kapitel darlegen zu lassen: "Hauptorte - Metropolen, Haupt- und Residenzstädte im Reich".

          Gerhard Fouquet belehrt den Leser, wie ungeheuer kompliziert sich die Sache aus Sicht modernster Forschung ausnimmt. So heißt es, daß Paris im Spätmittelalter keineswegs als die Hauptstadt Frankreichs anzusehen sei, sondern nur als ein zeittypischer Hauptort. Vielleicht ist es aber doch bequemer, bei der vom Autor ignorierten Ansicht der Zeitgenossen zu bleiben, die den Ort in wissenschaftlich gewiß nur unzulänglicher Weise als Haupt des Königreichs (caput regni) und Stadt der Städte (urbs urbium) bezeichneten.

          Paravicini selbst beschied sich übrigens damit, "daß es sich (bei der Residenz) um einen Ort handelt von großer Herrscherfrequenz, . . . daß die Rats- und Verwaltungseinrichtungen sich dort niederlassen und daß die entsprechende Infrastruktur ständig vorhanden ist". Damit waren freilich selbst zwei in Karls IV. Goldener Bulle genannte Orte des römisch-deutschen Königtums auf der Strecke geblieben: Frankfurt am Main mit dem Wahllokal in der Bartholomäuskirche und dem Römer. Aachen mit der Krönungskirche und der Pfalz. Die Stadt Nürnberg, wo gemäß der Goldenen Bulle der erste Hoftag eines neuen Königs stattfinden sollte, hatte Glück, denn sie wurde als königliche Residenz aufgenommen, weil sich der in beiden Bänden oft gewürdigte Karl IV. häufiger hier aufgehalten und auch einige in mancherlei Hinsicht nachwirkende Spuren im Stadtbild hinterlassen hat.

          Die chronologisch geordnete Reihe der auf den Themenkreis Hof und Residenz zugeschnittenen Artikel über die römisch-deutschen Könige und Kaiser im ersten Band läßt erkennen, daß die im Titel genannte Zeit des Spätmittelalters erheblich überschritten wird: Sie reicht von 1198 bis 1657, vom Staufer Philipp bis zum Habsburger Ferdinand III. Manche Autoren haben in ihren den zweiten Band füllenden Artikeln über die Residenzorte - von Ahaus bis Zweibrücken - die Entwicklung über das Stichjahr hinaus bis zum Ende des Ancien régime verfolgt. Maßgeblich für die Aufnahme der Residenzen war die Zugehörigkeit des betreffenden Eigentümers oder Besitzers zum Stand der geistlichen und weltlichen Reichsfürsten. Als Richtlinie diente vor allem der auf dem Wormser Reichstag von 1521 verabschiedete Anschlag für Karls V. Romzughilfe, der den Vorteil bot, die Fürsten Italiens südlich von Trient und Brixen auch aus diesem Handbuch ausschließen zu können.

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