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: Sind wir die Terroristen?

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          6 Min.

          Vorbereitung eines Angriffskrieges. Jeder Schüler kennt diesen Anklagepunkt des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals. Jeder Fernsehzuschauer weiß, dass der Krieg gegen den Irak ein Angriffskrieg war. Dennoch gibt es kein Tribunal, keine Angeklagten, kein Verfahren.

          Die Würde des Menschen ist unantastbar, weiß jeder. Dennoch ist es schon in der Berichterstattung ein Unterschied, ob ein Deutscher, ein Europäer, ein Amerikaner ums Leben kommt oder ein Araber - im letzten Fall erfahren wir nicht mal den Namen des Opfers. Schließlich ist der Mehrheit längst klar, was von den Argumenten für den Irakkrieg zu halten ist, der erschütternde Film "Leading to War", kostenlos einsehbar auf der gleichnamigen Website, kommt daher völlig ohne Kommentar aus. Der Krieg tobt ohne Berechtigung, aber nicht weniger heftig.

          Seit fünf Jahren müssen wir mit diesen Diskrepanzen auskommen, und es gelingt ganz gut, die Abspaltung, die Hoffnung auf bessere Zeiten. Was ist aber, wenn solche psychischen Verarbeitungsmechanismen, auch die simple Faulheit, die Gewöhnung an die normative Kraft des Faktischen ausbleiben? Wird man dann verrückt? Ist es Wahnsinn oder Widerstand, wenn einer in drei großen Tageszeitungen, in der "New York Times", in "Al Quds" und in der F.A.Z., seitenweise Anzeigen kauft, um bekanntzumachen, was doch eigentlich jeder weiß? Ist es noch Engagement, wenn sich ein Privatmann mit Buch, Website, Kinotrailern und Plakatwerbung an die Weltöffentlichkeit wendet, oder ist das ein Spleen? Ist der ein Pionier einer Weltbürgergesellschaft oder schon in der Liga der Erleuchteten, der D-Mark-Partei-Gründer und Supervitaminprediger? Vermutlich beides.

          Doch außer islamhassenden Internetbewohnern mit zu viel Tagesfreizeit die sich auf der Website "Politically Incorrect" austoben, dürfte es jedem vernunftbegabten Leser schwerfallen, Jürgen Todenhöfers Appell an unsere eigenen westlichen Werte zu ignorieren. Todenhöfers Buch "Warum tötest du, Zaid?" enthält drei Teile: Es erzählt die Geschichte einer klandestinen Reise Todenhöfers nach Ramadi; und die Geschichte von Zaid, der vom Studenten zum Kämpfer wurde, als er den Tod seiner Brüder mitansehen musste. Im Bildteil werden teils aktuelle, teils historische Fotos von der Grausamkeit westlicher Herrschaft in muslimischen Ländern präsentiert; schließlich formuliert Todenhöfer zehn Thesen zur Überwindung des muslimisch-christlichen Gegensatzes. Alles zusammen legt einen sehr unmodernen Schluss nahe: Wir, der Westen, wir sind nicht die Guten, waren es vielleicht nie.

          Für solche Schlechtelaunebotschaften ist niemand mehr zuständig. Was mag ein Plakatwandleser als geistiges Umfeld des Autors vermuten? Klingt nach der Linken, nach Bernt Engelmann, dem mittleren Wolf Biermann oder Gerhard Zwerenz. Falsche Antwort.

          In einer früheren Zeit stand Jürgen Todenhöfer in der anderen Ecke. Darum quittiert er die Aussage, man habe im Zeitungsarchiv spannende alte Artikel über ihn entdeckt, mit einem süßsauren "Archiv? Das ist aber gemein." Es ist nur zur Hälfte ein Witz. In seinen Jahren als entwicklungs- und rüstungskontrollpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre hat sich Todenhöfer einen Namen als Hardliner am rechten Rand gemacht. Er galt als Strauß-Mann in Bonn, er fand harsche Worte gegen die südafrikanische Befreiungsbewegung ANC und besuchte den chilenischen Diktator Augusto Pinochet. Auch im Inneren hat er sich mit allen angelegt, die heute zu den Lieblingen der Nation zählen, mit Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Schmidt und Helmut Kohl.

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