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: Sie waren doch Berufsgenossen

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"Warum und zu welchem Ende studieren wir Universalgeschichte?" - so lautete die Überschrift der berühmten Antrittsvorlesung von Friedrich Schiller, die er in Jena gehalten hat. Zweihundert Jahre später nannte Siegfried Unseld in nicht zu überhörender Gleichstellung seine Antrittsvorlesung an der ...

          "Warum und zu welchem Ende studieren wir Universalgeschichte?" - so lautete die Überschrift der berühmten Antrittsvorlesung von Friedrich Schiller, die er in Jena gehalten hat. Zweihundert Jahre später nannte Siegfried Unseld in nicht zu überhörender Gleichstellung seine Antrittsvorlesung an der Heidelberger Universität "Warum und zu welchem Ende studieren wir Verlagsgeschichte?" Dieses Thema ist derzeit absolut in. In den letzten Monaten erschienen unter anderem Publikationen wie "Hundert Jahre Verlag Langewiesche-Brandt", eine ganz vorzügliche Darstellung von Reinhard Wittmann zum fünfundsiebzigsten Jubiläum des Carl Hanser Verlags, der hervorragend editierte Briefwechsel Wolfgang Koeppen/Siegfried Unseld, das exzellente Buch "Paul Cassirer als Verleger".

          Zwei weitere neue biographische Publikationen sind anzuzeigen: Heinz Friedrich, der Gründer des Deutschen Taschenbuch Verlages, verstarb 2004, einen Tag vor seinem zweiundachtzigsten Geburtstag. Seine Autobiographie konnte er nicht mehr abschließen. Aus dem Nachlaß wurde nun das Buch "Erlernter Beruf: Keiner" veröffentlicht. Der Hauptteil sind die Aufzeichnungen von ihm bis in die späten fünfziger Jahre. Drei ergänzende Kapitel kommen hinzu, die anhand von Aufzeichnungen Heinz Friedrichs erstellt wurden: seine Rolle als Programmdirektor von Radio Bremen 1959-61, die Zeit als Mitbegründer und Verleger des Deutschen Taschenbuch Verlages 1961 bis 1991 sowie seine Rolle als Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste von 1983 bis 1995.

          Aufgewachsen in einem kleinen Dorf in der Nähe Darmstadts, beschreibt er die Welt der Kindheit, die ersten politischen Wahrnehmungen und die Kriegszeit. Noch im Mai 1945 wird er in Königsberg schwer verletzt, kann aber nach Darmstadt zurückkehren. Bewegend wird die Situation der Nachkriegszeit, die Ausweglosigkeit, der Hunger, beschrieben. Er beginnt erste schriftstellerische Arbeiten, übernimmt Lektoratsaufträge, Rundfunkbeiträge. Ein Jahr leitet er die Zeitschrift "Die Epoche" (1946) und ist an der Gründung der "Gruppe 47" beteiligt. Aus dieser Zeit rühren seine Freundschaften zu Hans Werner Richter, zu Joachim Kaiser und Reinhold Kreile, die ein Leben lang hielten. Die ersten Begegnungen mit Gottfried Benn und Ludwig Klages sowie Alfred Andersch werden beschrieben. Friedrich porträtiert Maria, seine wunderbare Jugendfreundin und große Liebe, mit der er dreiundfünfzig Jahre lang verheiratet sein wird. Heinz Friedrich wird Programmchef bei Radio Bremen, Cheflektor und Leiter der Fischer Bücherei bei Gottfried und Brigitte Bermann-Fischer in Frankfurt, kommt wieder zum Rundfunk zurück und wird 1960 gebeten, Verleger des zu gründenden Deutschen Taschenbuch Verlages zu werden - eine Initiative von elf führenden deutschen Literaturverlagen, die sich darüber ärgerten, daß alle ihre Lizenzen an Rowohlt oder Fischer gingen, und die feststellten, daß an den Lizenzausgaben im Taschenbuch erheblich mehr verdient wurde als in den meisten Fällen bei den Originalausgaben.

          Die Initiative kam von Joseph Caspar Witsch, Mitbegründer waren dann Klaus Piper, Kösel, Hanser, die Deutsche Verlagsanstalt, Insel, Walter, Hegner-Bachen. 1961 erfolgte der Start, der zu einem der grandiosesten Erfolge in der internationalen Verlags- und Buchgeschichte geführt hat. Heinz Friedrich gelang es, den Deutschen Taschenbuch Verlag zum besten Taschenbuchverlag der Welt und zu einem der größten Taschenbuchunternehmungen zu entwickeln. Er setzte von Anfang an auf Qualität, sowohl inhaltlich wie in der Gestaltung. Er holte Celestino Piatti, der das weiße Taschenbuch erfand und über viele Jahre lang perfekt gestaltet hat. Bei dtv erschienen die erste große Goethe-Ausgabe im Taschenbuch, das Grimmsche Wörterbuch, und unendlich viele weitere Pioniertaten gingen von diesem Unternehmen aus und wurden beispielgebend.

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