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: Sein Werk öffnet

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Gerade erschienen ist eine Art Festschrift im Vorgriff auf den 80. Geburtstag von Jürgen Habermas im kommenden Jahr. Der Journalist Michael Funken hat über Habermas "Gespräche mit Zeitgenossen" geführt. In der Vielfalt, ja Zufälligkeit seiner Beiträge - von Wolfgang Schäuble über Lord Dahrendorf, Wolfgang ...

          Gerade erschienen ist eine Art Festschrift im Vorgriff auf den 80. Geburtstag von Jürgen Habermas im kommenden Jahr. Der Journalist Michael Funken hat über Habermas "Gespräche mit Zeitgenossen" geführt. In der Vielfalt, ja Zufälligkeit seiner Beiträge - von Wolfgang Schäuble über Lord Dahrendorf, Wolfgang Thierse und Norbert Bolz bis hin zu Alexander Kluge - zeigt dieser Band auf exzellente Weise, wie Jürgen Habermas in die Befindlichkeit unserer Gesellschaft eingegangen ist. Denn auch das gehört ja zum internationalen Rezeptionsphänomen in Sachen Habermas: Jedermann meint, zu diesem Namen etwas sagen zu können, ja zu müssen, selbst wenn er seine Nase noch nie in eine Schrift des Philosophen gesteckt haben sollte. So dokumentieren diese Gespräche - wie Funken im Vorwort des Bandes schreibt - "in ihrem Wechselspiel zwischen intimer Kenntnis und möglichem Missverständnis ein Stück zeitgenössischer Rezeptionsgeschichte. Eine weite Spannbreite, die widerspiegelt, wie sehr Habermas auch als Projektionsfläche dient für Freund- wie Feindbilder."

          Was etwa Norbert Bolz verschwörungstheoretisch auf Habermas projiziert, ist in seiner Verstiegenheit kurzweilig zu lesen ("seine Steigbügelhalter überall: in den Chefredaktionen, in den Universitätspräsidien, ein gigantisches Netzwerk"). Aber wen wundert's? Für einen eiligen Geist wie Bolz ist es nun mal egal, wie sich die Dinge wirklich verhalten. Seine Generalentschuldigung für alles, was er sagt und schreibt, ist hier nachzulesen. Sie lautet klar und wahr: "Ich halte es für evident, dass an die Stelle der Wahrheit das Problem treten muss, mit knapper Zeit rhetorisch effektiv umzugehen. Also: Für Wahrheit fehlt die Zeit!"

          Habermas, ein Fundamentalkatholik?

          Habermas scheint zu den Gestalten zu gehören, mit denen man nicht nicht kommunizieren kann. Jedermann wähnt sich offenbar in einem Verhältnis zu ihm, und sei es noch so imaginär. So wird Wolfgang Schäuble ("Man kann wahrscheinlich auch mit guten Gründen anderer Meinung sein als ich!") den Gedanken nicht los, Habermas hätte doch auch ihn, den Innenminister, gelegentlich zum Gegenstand seiner Philosophie machen und ihn "verteidigen können". Wobei das bei Schäuble naturgemäß so klingt wie: verteidigen müssen. Demütiger als Schäuble ist Bischof Huber. Hubers Begehr, analog zu Ratzinger auch selbst einmal mit Habermas über das Thema Religion und Säkularisierung debattieren zu können, sei - so erzählt der Bischof - von dem Philosophen zwar abschlägig beantwortet worden. Aber Habermas habe ihm die Absage "so erläutert, dass ich das auch respektiere". Von so einem Respekt kann Schäuble nur träumen!

          Nicht verkneifen will sich Huber freilich ein gelindes Verstörtsein, ja Verschnupftsein darüber, "dass Habermas im Hinblick auf die Globalisierung und die Rolle der Religion in der Welt offenbar dem Katholizismus einen Startvorteil gegenüber den protestantischen Kirchen zuspricht und den Dialog mit dem Katholizismus bevorzugt hat, sowohl in Gestalt des Gesprächs mit Ratzinger als auch dadurch, dass er für eine programmatische Aussage zum Verhältnis zwischen Religion und Politik Rom als Ort gewählt hat". Ist Habermas am Ende gar ein Fundamentalkatholik? Ein Fundamentalhistorist wie Michael Stolleis würde sich zu solch rabiaten Ansichten vermutlich hinreißen lassen - ohne mit der Wimper zu zucken. Aber Huber, ums Augenmaß bemüht, belässt es beim Begriff des katholischen Startvorteils.

          Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der wichtigste Intellektuelle im Land? "In Deutschland sagen die Leute: Habermas und Luhmann. Ich halte von Luhmann ziemlich wenig. Er hat eine Sprache erfunden, in der man alles ausdrücken kann. Aber man kann es auch lassen. Der Erkenntnisgewinn ist gering. Habermas hat da noch was anderes. Er hat auf eine bemerkenswerte Weise sozialpsychologische, ethnologische und philosophische Dinge miteinander in eine Einheit gebracht, ohne Künstlichkeit. Das könnte lange nachwirken." So weit der unter bestimmten Gesichtspunkten gut nachvollziehbare Teil von Lord Ralf Dahrendorfs Lagebeurteilung. Nachhaltig wundern muss man sich allerdings, wenn der Soziologe fortfährt: "Interessant ist, dass er (Habermas) großen Wert legt auf die Rechtsphilosophie, aber bei den Juristen praktisch nicht existiert. Da hat er bisher keine tiefgreifende Wirkung gehabt."

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