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: Schwarz die Mondsichel zu Füßen der Madonna in Grün und Blau

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Aus Wut hätten die mexikanischen Indios die Spanier nach der Eroberung durch Cortez am liebsten "in Kakao gekocht und gegessen". Auch führten sich die Spanier als die denkbar schlechtesten Missionare auf. Mit soviel Gewalt und Korruption konnte man kein Land für das Christentum gewinnen, denn es gab immerhin eine sensible und qualifizierte aztekische Elite, die sich nichts vormachen ließ.

          Aus Wut hätten die mexikanischen Indios die Spanier nach der Eroberung durch Cortez am liebsten "in Kakao gekocht und gegessen". Auch führten sich die Spanier als die denkbar schlechtesten Missionare auf. Mit soviel Gewalt und Korruption konnte man kein Land für das Christentum gewinnen, denn es gab immerhin eine sensible und qualifizierte aztekische Elite, die sich nichts vormachen ließ. So wollten die Mexikaner um keinen Preis Christen werden, dazu hatten sie die Spanier zu gut kennengelernt.

          Man kann sich kaum vorstellen, was aus purem Trotz den Spaniern gegenüber hätte geschehen können: Zum Beispiel hätten die Indianer Amerikas Muslime werden können. Daß dieses nicht geschah, daß der Kontinent Südamerika nach 1531 in Massentaufen christlich wurde und bis heute fest zur westlichen Welt gehört, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Allzu sicher verlassen wir uns bis auf weiteres darauf, daß Südamerika "zu uns gehört".

          Die Welt verdankt dies einer "Eroberin der Herzen" und einer in der Tat märchenhaften Geschichte. Daß die Situation zugunsten des Christentums kippte, geht nachweisbar auf das Konto der Muttergottes von Guadalupe. Im Dezember 1531 erlebte der christliche Indio Juan Diego vier Erscheinungen Mariens, bei der ersten stellte sie sich dem Indio vor: "Ich bin die Mutter Gottes, des Schöpfers, der allen Menschen das Leben schenkt. Ich bin eure Mutter." Bei der letzten Vision prägte sich auf seinem Poncho das Bild einer stehenden schwangeren Madonna ein. Die Mondsichel zu Füßen der Madonna ist schwarz, die übrigen Farben zart Hellgrün bis zart Blau. Das Bild der Muttergottes auf dem Poncho des Indios ist indes in jeder Hinsicht rätselhaft: Es ist kein Gemälde, hat keine Grundierung und ist nicht mit Öl oder Farbstoffen hergestellt. Keine Spur eines Pinsels ist zu sehen. Einige Merkwürdigkeiten, Untersuchungen der Pupillen der Muttergottes ergaben, daß sich in ihnen die Zeugen der Vision spiegeln, inklusive der Negersklavin des Bischofs, und zwar in der Art des Purkinje-Samson-Effekts, der erst im neunzehnten Jahrhundert entdeckt wurde. Die Sterne auf dem Bild entsprechen der Konstellation des Himmels zur Zeit der letzten Vision am 12. Dezember 1531.

          Das Bild hängt in der Kathedrale von Guadalupe in Mexico City. Die Agavefasern, auf denen das Bild "steht", müßten insbesondere im mörderischen Klima von Mexiko schnell vergehen, doch sie halten sich seit fünfhundert Jahren. Zwanzig Millionen Pilger besuchen das Bild in jedem Jahr; da nimmt sich das deutsche Kevelaer am Niederrhein mit sechshunderttausend Pilgern geradezu harmlos aus. So ist Guadalupe der größte Wallfahrtsort der Welt.

          Die Muttergottes von Guadalupe heißt bei den Mexikanern die "Morenita" ("Die kleine Braune"), sie ist die Seele Mexikos, der Trost der Armen. Sie ist auch die Schutzheilige der Prostituierten in den karibischen Hafenstädten, welche die "unbefleckt Empfangene" wie keine andere lieben, verehren und um Hilfe anflehen, weil sie dafür sorgt, daß sie ihre Kinder durchbringen können. "Wenn nichts mehr da ist, ist sie da." Zu den spektakulären Ereignissen ihrer Wirkungsgeschichte gehört, daß unter ihrem Banner die Schlacht von Lepanto 1571 wider alle Erwartung gewonnen wurde. Und das Bild der Morenita ist das einzige, das den Schreibtisch des Papstes schmückt, der im übrigen direkt neben dem Petrusgrab ihr Mosaik in die Wand setzen ließ.

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