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: Schräge Typen und schrille Gefährte

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Es gibt wenige Sportereignisse, die so polarisieren. Die so umstritten sind, so viel Schimpf und Schande auf sich ziehen, bis hin zum Vatikan, dessen Presseorgan von einem "blutigen Rennen der Verantwortungslosigkeit" schrieb. Und es gibt wenige Ereignisse, die viele Menschen so faszinieren wie die Rallye Dakar.

          Es gibt wenige Sportereignisse, die so polarisieren. Die so umstritten sind, so viel Schimpf und Schande auf sich ziehen, bis hin zum Vatikan, dessen Presseorgan von einem "blutigen Rennen der Verantwortungslosigkeit" schrieb. Und es gibt wenige Ereignisse, die viele Menschen so faszinieren wie die Rallye Dakar. Zwischen diesen beiden Sichtweisen gibt es nicht viel, und vielleicht ist das kein Wunder angesichts der Extreme, die diese Rallye in sich vereint. Der Titel des Buches von Christian Schön macht schnell klar, auf welcher Seite es steht: "Mythos Rallye Dakar".

          So geht es Schön nicht darum, diesen Mythos zu zergliedern, zu hinterfragen, begreiflich zu machen. Er will nicht überzeugen oder Verständnis wecken, er argumentiert nicht, rehabilitiert nicht, und auch eine moralische Abwägung oder eine kritische Auseinandersetzung mit den Todesopfern, die das Rennen forderte, fehlt. Das ist schade, aber logisch: Wer die Dakar als zynische Hightech-Show empfindet, als rücksichtslosen Geschwindigkeitsrausch zivilisationsfrustrierter Egomanen, die zwei Wochen lang die Dritte Welt als Abenteuerkulisse benutzen, der wird um ein Buch, auf dem "Mythos Rallye Dakar" steht, sowieso einen weiten Bogen machen.

          Es ist ein Buch für Fans, und die werden bestens bedient. Mit fesselnden Fotos, die verdeutlichen, was Hunderte von Teilnehmern jedes Jahr dazu bringt, 10 000 Kilometer durch die Wüste zu rasen. Mit schrägen Typen wie den Brüdern Marreau, die mit ihrem Renault 4 knapp am Sieg vorbeischrammten. Mit skurrilen Gefährten wie dem Rolls-Royce Dakar, mit dem Thierry de Montcorgé 1981 an den Start ging und der kurz nach der Ankunft in Nordafrika den Dienst versagte. Und mit kenntnisreichen Geschichten wie der über die "wahren Helden" der Dakar, die Motorradpiloten, die fahren, navigieren und manchmal noch selbst schrauben.

          Im Mittelpunkt aber stehen die Autos. Jahr für Jahr, Rallye für Rallye, dekliniert Schön in kompakten Abrissen durch, wie die Porsches, Peugeots und Mitsubishis, die Vatanens, Kleinschmidts und Peterhansels um den Dakar-Sieg wetteiferten. Das veranschaulicht die Veränderungen, die das Rennen in fast dreißig Jahren durchlief, wirkt aber auf Dauer leicht schematisch. Die großformatigen Bilder, die das Buch nach dem Ergebnisteil auch abschließen, entschädigen dafür freilich reichlich.

          Ist das nun faszinierend? Oder doch verantwortungslos? Eine Gewissensfrage, die Christian Schön offenlässt. Und die jeder für sich selbst beantworten muss.

          nle.

          Besprochenes Buch: Christian Schön: Mythos Rallye Dakar. 176 Seiten, 329 farbige Abbildungen. Heel-Verlag, Königswinter, 39,90 Euro.

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