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Geschichte der Sexualität : Als der gesunde Sex erfunden wurde

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Billy Wilders Variante des Sexologen: Klaus Kinski als Dr. Hugo Zuckerbrot, Leiter einer kalifornischen Sexklinik, in „Buddy Buddy“ aus dem Jahr 1981 Bild: ddp Images

Zwischen Erregung und Perversion: Dagmar Herzog erklärt, warum Neofreudianer sogar vom Papst den Segen bekamen – und welche neuen Tabus mit der vermeintlichen sexuellen Befreiung kamen.

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          Die deutsch-amerikanische Zeithistorikerin Dagmar Herzog ist für ihre provokanten Arbeiten zur Geschichte der Sexualität bekannt. In ihrem wohl bekanntesten Buch „Die Politisierung der Lust“ (2005) zeigte sie auf, dass die Sexualpolitik des Dritten Reiches weitaus freizügiger war, als ihr späterer Ruf es wollte. Herzogs Arbeit richtete sich bewusst gegen die weitverbreitete Vorstellung, der NS-Staat sei vor allem auf dem Boden der Triebunterdrückung gewachsen, eine Lehre, die die Studentenbewegung von 1968 aus den Schriften Wilhelm Reichs oder Herbert Marcuses gezogen hatte. Davon ausgehend unternahm sie in den letzten Jahren eine Neueinschätzung der „sexuellen Revolution“, welche die zahlreichen „Paradoxien“ der Liberalisierung der Sexualität in Westeuropa und den Vereinigten Staaten in der Nachkriegszeit aufzeigen sollte.

          Anlässlich von Herzogs Gastprofessur am Jena Center für Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts entstand nun ein Band, der vorführt, wie fruchtbar sich die von ihr entwickelten Fragestellungen im Bereich der Geschichte der Psychoanalyse und der Sexualwissenschaft nach 1945 fortführen lassen. So wird insbesondere deutlich, dass der Aufstieg der Experten in Sachen Sex in dieser Zeit nur verständlich wird, wenn man das Spannungsfeld zwischen sozialen Bewegungen, religiösen Institutionen und der jeweiligen Gesetzgebung in verschiedenen Ländern berücksichtigt.

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