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Sachbuch : Warum der neue Atheismus unsere Kultur verflacht

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Ist Gott nur ein Virus? Alister McGrath schützt die Religionsphilosophie vor den biologistischen Übernahmeversuchen. Bild: picture-alliance/ dpa

Ist der Glaube nur ein überständiger Virus, von sogenannten Memen nach biologischem Muster übertragen? Was der Oxforder Biologe Richard Dawkins mit propaganistischer Schärfe vertritt, weist Alister McGrath mit vornehmem Zweifel zurück.

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          Als der junge Mann im brasilianischen Urwald gestanden hatte, war er überzeugt gewesen, „dass in der Brust eines Menschen mehr als nur der Atem seines Körpers ist“. Eine echte Erleuchtung scheint dies aber nicht gewesen zu sein. Denn als Charles Darwin Jahre später sein wegweisendes Buch über den „Ursprung der Arten“ veröffentlichte, war er, wie Janet Browne in ihrer Darwin-Biographie schildert, religiös unschlüssig. Er hatte sich immerhin ein Stück seines Kinderglaubens bewahrt, das ihm erlaubte, sich als Theisten zu bezeichnen.

          Einen Aufsatz seines amerikanischen Mitstreiters Asa Gray über die Vereinbarkeit von Evolution und Religion lobte Darwin als „den bei weitem besten theistischen Essay“. Das konnte es also geben: eine theistisch gestimmte Biologie auf dem Niveau der Erkenntnisse Darwins. Ihn beschäftigte damals die Frage, ob die Baupläne der Natur einen Architekten erforderten, das Design einen Designer. Er war ratlos und meinte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Welt, wie wir sie sehen, das Ergebnis von Zufällen ist. Aber andererseits kann ich nicht jedes Einzelding als Resultat eines Entwurfs ansehen.“ Ihn verwirrte die religiöse Sicht dieser Dinge.

          Der Schöpfer und die Schlupfwespe

          Darwin wollte, wie er versicherte, nicht als Atheist darüber schreiben, sah sich aber außerstande, überall Absichten und Wohlwollen zu entdecken. Es gab Erscheinungen in der Natur, die ihm unvereinbar zu sein schienen mit dem Glauben an einen wohlwollenden Schöpfer. Da war zum Beispiel die Schlupfwespe, die ihre Eier in lebende Schmetterlinge legte, oder die Katzen, die mit Mäusen spielten. Und auf der anderen Seite gab es erstaunliche Phänomene wie das Auge, die den Gedanken an eine planmäßige Entwicklung zwingend aufzudrängen schienen, die sich aber tatsächlich ohne die Annahme eines Schöpfers erklären ließen. Über solche Fragen nachzudenken kam ihm vor, als wollte ein Hund Newtons Hirn ergründen. Hin und hergerissen zwischen Absicht und Zufall, verlor Darwin seinen Glauben. Hielt er sich anfangs noch für einen Theisten, bezeichnete er sich später als Agnostiker.

          In seiner Autobiographie, die erst nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte, wurde er deutlicher: Hier bestritt er ausdrücklich, dass ein vernünftiger Mensch an Wunder glauben könne, leugnete die Möglichkeit eines rationalen Beweises für die Existenz Gottes und bestritt den Offenbarungscharakter der christlichen Religion. Ihr Gott sei im Übrigen grausam, so dass niemand wünschen könne, dass das Christentum wahr wäre. Je mehr Antworten die Biologie lieferte, desto mehr entfernte sich Darwin von der Religion.

          Bleibendes Mysterium des Anfangs

          Seine kluge und fromme Ehefrau Emma drängte ihren Sohn Francis, als dieser die postume Ausgabe der Autobiographie vorbereitete, wenigstens den Satz zu streichen, dass religiöser Glaube kaum mehr sei als ererbter Instinkt, wie die Angst des Affen vor der Schlange. Der Gedanke, erklärte sie, sei ihr schmerzlich, dass alle Moral durch Evolution zustande kommen sollte. Den Abschnitt seiner Autobiographie über die Religion beschloss Darwin mit den Sätzen: „Ich kann nicht den Anspruch erheben, das geringste Licht auf solch abstruse Probleme zu werfen. Das Mysterium des Anfangs aller Dinge ist für uns unlösbar; und ich jedenfalls muss mich damit abfinden, ein Agnostiker zu bleiben.“

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