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Roger Penrose: Zyklen der Zeit : Der Vogel Phönix ist nicht konform

Bild: Spektrum

Zuletzt nichts als Strahlung, doch darin schon der Anfang der nächsten Welt: Roger Penrose verficht eloquent die Idee eines zyklischen Universums und weiß sich dabei sogar auf dem Boden der Wissenschaft zu halten.

          5 Min.

          Auf den ersten Blick scheint dieses Buch sich einfach ins beliebte populärwissenschaftliche Genre der Urknall-Bücher einordnen zu lassen. Doch das kann schon deswegen nicht stimmen, weil Roger Penrose es geschrieben hat, einer der kreativsten, originellsten und - allerdings auf eine sehr britische Art - eloquentesten Köpfe in der zeitgenössischen mathematischen Physik. In „Zyklen der Zeit“ stellt der heute emeritierte Professor aus Oxford seine Hypothese vom Anfang der Welt vor.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Werk unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von all den anderen Urknall-Büchern. Das Bestreben, den Spekulationen zumindest die Chance auf Überprüfbarkeit zu geben, ist dabei das eine. Ein Weiteres ist die überaus klare Sprache, die den Leser gleichwohl fordert, etwa durch die Weigerung, auf Formeln und abstrakte Konzepte zu verzichten. Mit etwas Konzentration und einem entspannten Verhältnis zum quantitativen Räsonieren dürften aber auch physikalische Laien dem Autor zumindest in allen wichtigen Gedanken folgen können, die Penrose mit eigenen, mitunter geradezu genialen Grafiken illustriert.

          Der wichtigste Unterschied zu anderen populärwissenschaftlichen Büchern ist aber inhaltlicher Natur: Penrose geht nicht von einem speziellen Ansatz für die Quantengravitation aus, obgleich auch er nicht daran zweifelt, dass eine solche Theorie eine notwendige (wenn auch vielleicht keine hinreichende) Bedingung für eine physikalische Rekonstruktion des Ursprungs der materiellen Welt ist. Vielmehr steht bei ihm ein Problem im Zentrum, das Penrose schon im seinen ersten, eigentlich einem ganz anderen Thema gewidmeten populärwissenschaftlichen Bestseller „The Emperors New Mind“ aus dem Jahr 1991 diskutierte und das seiner Ansicht nach von seinen Fachkollegen zu wenig gewürdigt wird: die Frage, warum die Welt im Moment des Urknalls so unwahrscheinlich ordentlich war.

          Einsteins Gleichungen

          Diese Aussage mag verwundern, weisen doch alle Beobachtungen und etablierten physikalischen Theorien darauf hin, dass das Universum bei seiner Geburt von nichts als einem extrem heißen, strukturlosen Energiebrei erfüllt gewesen sein muss. Dergleichen scheint dem Alltagsverstand doch eher etwas maximal Chaotisches denn etwas maximal Geordnetes zu sein. Doch aus der Perspektive der Gravitationstheorie, zu deren Erforschung Penrose vielleicht mehr als jeder andere seit Einstein beigetragen hat, stellt sich die Sache völlig anders dar: Gravitation ist Raum-Zeit-Krümmung, die ihrerseits durch Unterschiede in der Dichte von Energie oder Materie erzeugt wird. Solche Unterschiede gab es am Anfang aller Dinge nicht, sie entstanden erst später durch Verklumpung von Materie zu Sternen und Galaxien. Gravitativ gesehen, war das Universum am Anfang das Geordnetste, was sich überhaupt denken lässt, ein hochspezieller Zustand.

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