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Richard David Precht : Essen Sie nur, was Sie auch selbst töten!

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Er muss zumindest nicht fürchten, dass man ihn nach dem Fototermin für das Abendessen anrichtet: Begegnung im Frankfurter Zoo. Bild: AP

Psychologie statt Fakten und Prinzipien: Richard David Precht setzt in seinem neuen Buch „Tiere denken“ ganz auf Intuitionen, um uns zu einem anderen Umgang mit Tieren zu bewegen.

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          In Richard David Prechts neuem Buch geht es um den Menschen und sein Verhältnis zum Tier. Dieses Verhältnis ist nicht gut. Es ist vielmehr grauenhaft, weil wir grauenhafte, unnötige Konsumgewohnheiten pflegen und das Grauenhafte und Unnötige daran mit viel Aufwand ignorieren. Es ist nicht das erste Buch, das Precht zu diesem Thema schreibt. 1997 schon erschien „Noahs Erbe: Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen“. Nun verspricht er den Lesern eine „neue Tierethik“.

          Doch diese Tierethik ist nicht neu. Sie macht zahlreiche Anleihen bei kritischen Überlegungen, die vor allem Philosophinnen gegen Peter Singer und Tom Regan, die beiden großen alten Männer der modernen Tierethik, seit gut drei Jahrzehnten anführen. Es ist bedauerlich, dass Precht, der sonst mit Namen nicht geizt, Denkerinnen wie Florence Burgat, Cora Diamond, Josephine Donovan, Lori Gruen, Rosalind Hursthouse, Christine Korsgaard, Mary Midgley, Martha Nussbaum, Evelyn Pluhar, Mary Anne Warren oder Ursula Wolf in der Anonymität belässt oder nur am Rande erwähnt. Ebenso schade wie der Umstand, dass das Werbewort „neu“ vor „Tierethik“ aufblinken muss. Manche Dinge sind zu alt und zu wichtig, um bloß neu zu sein.

          „Ethik des Nichtwissens“

          Precht wartet mit einer richtigen Beobachtung auf: „Noch nie war die Kluft so groß, die das, was Menschen im Umgang mit Tieren für richtig halten, und das, was tatsächlich praktiziert wird, voneinander trennt.“ Er attestiert zu Recht eine Schizophrenie in unserem Verhältnis zu Tieren. Und recht zu geben ist ihm auch in einem weiteren Punkt: Die weltweit gestiegene Sensibilität Tieren gegenüber bleibt zu sehr im Privaten. Das führt Precht auf die These, dass sich die Kluft zwischen dem, was wir für richtig halten, und dem, was geschieht, so lange nicht schließt, wie wir unsere Ernährung und unser Verhältnis zu Tieren als Privatsache auffassen. Das ist eine im Ansatz überzeugende Analyse. So deutlich hatte Precht dies 1997 noch nicht gesehen.

          Precht fordert damals wie heute eine „Ethik des Nichtwissens“, die auch von inzwischen gewonnenen Forschungergebnissen gestützt werden soll. Im Wesentlichen möchte er zeigen, dass wir ausweislich dieser Einsichten aus Paläoanthropologie, Primatologie und Verhaltensökologie weder über uns selbst noch über das Innenleben der Tiere noch über die Moral etwas gesichert wissen können und uns deshalb im Nichtwissen einrichten müssen.

          Die Argumente, die Precht für seine Ethik des Nichtwissens beibringt, können allerdings nicht überzeugen. Zunächst argumentiert er, dass wir Menschen keinen Zugriff auf die Welt „an sich“ haben, denn letztlich gelte: „Die Sprache interpretiert ihre Konstruktionen, das ist es, was tatsächlich passiert.“ Wovon Precht natürlich seine eigene These ausnimmt, obwohl nicht zu sehen ist, warum ihr dieser Sonderstatus zukommen sollte. Weiters merkt er an, dass wir letztlich immer auf unsere, also menschliche Begriffe angewiesen sind, um Tiere zu erforschen. Das trifft zu, wir verfügen nun einmal nicht über Hunde- oder Forellenbegriffe. Bloß folgt aus dieser trivialen Tatsache nicht, dass wir diese Begriffe nicht auch auf außermenschliche Bereiche anwenden können. Hunde haben ein Gehirn, sie können sehen und merken, ob wir wütend oder traurig sind; Forellen haben Kiemen, sie empfinden Schmerzen und haben ein gutes Gedächtnis. Dass Begriffe wie „Gehirn“, „sehen“, „merken“, „Kiemen“, „Schmerz“ oder „Gedächtnis“ menschliche Begriffe sind, hindert uns nicht daran, etwas über Hunde und Forellen herauszufinden.

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