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Richard A. Clarke: „World Wide War“ : Die Vorbereitungen auf den virtuellen Krieg haben schon begonnen

Bild: Archiv

Vorausblick auf das digitale Schlachtfeld: Der amerikanische Sicherheitsexperte Richard Clarke entwirft bedrohliche Szenarien der Cyberwars, um die Welt und seine Nation wachzurütteln.

          Die Zeitspanne zwischen der amerikanischen und der deutschen Publikation von Richard Clarkes Buch „World Wide War“ beträgt nur ein dreiviertel Jahr. Sie reichte aus, um seinen Gegenstand von einer diffusen Bedrohung zu einer klar erkennbaren Gefahr zu machen. In wenigen Monaten ist der virtuelle Krieg zu einem vieldiskutierten Politikum geworden. Der Aufbau von Behörden hat begonnen, eine deutsche Cyber-Abwehrzentrale wurde kürzlich beschlossen. Auf internationaler Ebene bemüht man sich um Regeln zur Entschärfung des digitalen Schlachtfeldes.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Den ehemaligen Anti-Terror-Berater der amerikanischen Regierung, mittlerweile Leiter einer Firma für Internetsicherheit, beruhigt das nicht. Was wäre, fragt er, wenn eine virtuelle Attacke das Stromnetz der Vereinigten Staaten an zentraler Stelle träfe? Das apokalyptische Szenario, das er als Replik an die Wand wirft, zeigt eine hilflos taumelnde Nation. Wirtschaft und Verkehr sind zum Erliegen gekommen, Stromleitungen durchgeschmolzen, Pipelines gesprengt, der unterbrochene Gütertransport führt bald zu Hungersnot, auch das Geld wird nach dem Kollaps des Finanzsystems knapp, und Armeeeinheiten irren ohne Verbindungen untereinander umher.

          Zweifellos sucht Clarke den schlimmsten anzunehmenden Fall. Ob sich der Schaden in der beschriebenen Dimension ausbreiten kann, ist schwer mit Gewissheit zu sagen, es fehlen reale Erfahrungen. Es hängt stark von der Struktur des Stromnetzes ab. Clarke sieht hier überall verwundbare Stellen. Bis heute, meint er, sei seine Nation auf den Angriffsfall nicht genügend vorbereitet, während andere Länder gezielt aufrüsten.

          Der Funken springt über

          Über digitale Kampfeinsätze lässt sich inzwischen eine beeindruckende und beängstigende Chronik verfassen. Mit dem Computerwurm Stuxnet, der die iranische Atomanlage Natanz außer Betrieb setzte, trat der Cyberkrieg in diesem Sommer erstmals erkennbar auf die Ebene nationaler Kriegführung. Eine Präzisionswaffe wie Stuxnet, so die Experten, ist nicht ohne staatliche Ressourcen zu schmieden.

          Die bisherigen virtuellen Kriegshandlungen nähren die Illusion eines sauberen Kriegs zu geringen Kosten. Wäre die iranische Atomanlage durch einen konventionellen Angriff zerstört worden, wären die Konsequenzen unabsehbar gewesen. Clarke geht jedoch davon aus, dass ein Angriff auf die kritische Infrastruktur eines Landes - auf Stromnetz, Güterverkehr oder Telekommunikation - in Zukunft auch die Bevölkerung in Mitleidenschaft zieht. Er wird eine Eskalationsspirale in Gang setzen, die auf das konventionelle Schlachtfeld überspringt und leicht globale Maßstäbe annimmt, weil die Angriffe keinem Staat so leicht zuzuordnen seien. Der Schuldige ist auf dem virtuellen Schlachtfeld selten auszumachen

          Das Wettrüsten ist längst im Gang

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