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Rezensionen: Bücher über Springer : Das Vermächtnis eines Zerrissenen

Umstritten, bewundert: der Verleger Axel Cäsar Springer (1912 bis 1985) in den vierziger Jahren Bild: dpa

Vor hundert Jahren wurde Axel Cäsar Springer geboren. Drei Bücher arbeiten sich jetzt an seiner Person ab - der erfolgreiche Zeitungsverleger polarisiert noch immer.

          Der nach Axel Cäsar Springer benannte Konzern, das mächtigste Medienhaus im Land, bittet in Berlin anlässlich des Hundertsten seines Gründers zum verlagseigenen Staatsakt. Und man darf darauf wetten, dass es an Spitzenpersonal aus Politik und Gesellschaft beim Stelldichein nicht fehlen wird. Denn um das Erbe dieses Verlegers kommt man nicht herum, schon gar nicht um die „Bild“-Zeitung, die sogar Bundespräsidenten gefährlich werden kann.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Will man sich ein halbwegs vollständiges Bild über diesen Axel Springer machen und in Erinnerung rufen, wer dieser Mann eigentlich war, sollte man unter den aus gegebenem Anlass dieser Tage erschienenen Büchern gleich drei lesen. Sie fallen denkbar unterschiedlich aus, ergänzen sich aber fabelhaft. Was dem einen fehlt, ist Thema des anderen. Wobei das eine im Grunde genommen ein schöner Etikettenschwindel ist, das andere eine profunde Wirtschaftsgeschichte und das dritte ein echter Krimi, ein Kampf um das tatsächliche Erbe, geschrieben von Axel Sven Springer, dem Enkel des Verlegers.

          Eine sympathische Erkenntnis

          Für den Etikettenschwindel ist Tilman Jens mit seinem Buch „Axel Cäsar Springer“ zuständig. Denn dieses handelt weniger von der Person denn von der Projektionsfläche. Geht es um den Menschen und dessen Motivation, verlässt sich Jens auf Michael Jürgs und Hans-Peter Schwarz, die bislang die profundesten Springer-Biographien veröffentlicht haben. Jens’ Leistung besteht darin, Recherchen, die er im weiteren Sinne zu Springer, dem Phänomen und dem Konzern, in den letzten Jahren unternommen hat, zusammenzufügen. Da taucht dann etwa die Geschichte der Chefsekretärin Rosie K. auf, die Springer jahrzehntelang für die Stasi bespitzelte.

          Durch das Konvolut, das der Verlag vor zwei Jahren ins Netz gestellt hat, um das 1968 angekündigte, aber nie stattgehabte und dann 2009 abermals gescheiterte „Springer-Tribunal“ vorzubereiten, hat sich Jens auch gelesen. Es dient ihm zur Überprüfung alter Vorurteile und führt ihn - wie auch der Rückblick auf Heinrich Bölls „Verlorene Ehre der Katharina Blum“ und Günter Wallraffs Undercover-Recherche bei „Bild“ (“Der Aufmacher“) zu der nicht eben revolutionären, aber sympathischen Erkenntnis, dass das alte Schwarzweißdenken, in dem die Linke und die Achtundsechziger und Springer symbiotisch miteinander verbunden waren, niemandem gerecht wird. Axel Springer schon gar nicht.

          “Warum eigentlich heißt, wenn es das Personal der Zeitgeschichte zu begutachten gilt, die Alternative so oft: Hassfigur oder Ikone?“, fragt Jens. „Warum fällt ein bescheidenes Ecce Homo so schwer? Seht her: ein Mensch mit Licht und Schatten. Eben hier gewinnt das zum Kulturgut gewordene Feindbild Springer exemplarischen Charakter. Es zeigt eine, wie ich denke, recht deutsche Schwierigkeit: ambivalente Charaktere auch als solche zu ertragen.“

          Die zwei Testamente

          So formuliert Jens, kommt bei der Gelegenheit allerdings auch auf Erwin Rommel und Hartmut von Hentig zu sprechen, was zeigt, woran man hier ist: bei einem kulturkritischen Essay, den man lieber läse, wenn Jens nicht immer mit rhetorischem Vollgas unterwegs wäre und sich die eine oder andere Verallgemeinerung sparte, vor allem aber das Schlusskapitel, in dem er die großen Antipoden Axel Springer und den Studentenführer Rudi Dutschke im Himmel aufeinandertreffen und - in der Freude über die nach ihren Lebzeiten errungene deutsche Einheit - Gemeinsamkeiten finden lässt.

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