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Rezension: Platon in Bagdad : Als Aladins Lampe zu leuchten begann Neue Sachbücher

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Bild: Verlag

In Bagdad explodierten einst keine Bomben, sondern das Wissen der Welt: John Freely zeigt in einem glänzenden Buch, wie die Gelehrsamkeit der Antike über den Orient nach Europa wanderte.

          Der deutsche Titel „Platon in Bagdad“ ist griffig gewählt, führt aber doch ein wenig in die Irre. Denn von Platon und der griechischen Philosophie ist zwar durchaus die Rede, viel mehr jedoch von der griechischen, ja antiken Wissenschaft, von Wissenskultur überhaupt, die über den „Orient“ wieder zurück nach Europa fand. „Wie das Wissen der Antike nach Europa kam“ ist denn auch der Untertitel dieses Werks, das im englischen Original poetischer „Aladdin’s Lamp“ hieß. Da mochte man vielleicht an orientalische Märchen denken; doch von solchen handelt das Buch ganz und gar nicht.

          Der Autor John Freely, ein 1926 geborener Amerikaner, ist kein Unbekannter. Wer die Türkei oder angrenzende Regionen bereist, wird irgendwann einmal auf seinen Namen stoßen und eines seiner Bücher zur Hand nehmen. Dazu gehören nicht nur Reiseführer, sondern - im besten Sinne - populärwissenschaftliche Arbeiten, die sich mit der Geschichte der Seldschuken, Osmanen und Türken, der Griechen wie der Levante insgesamt beschäftigen. Freely lebt seit vielen Jahrzehnten am Bosporus, und an der dortigen Bogaziçi-Universität zu Istanbul lehrte er Physik und Wissenschaftsgeschichte, vor allem bezogen auf die Naturwissenschaften. Sie stehen denn auch eindeutig im Mittelpunkt dieses faszinierenden Werkes, insbesondere die Physik, die Astronomie und die Mathematik, freilich in enger Anlehnung an philosophische Lehren.

          Ein Kapitel zum klassischen Griechentum

          Dass die Muslime einen großen Teil des antiken Wissens an Europa weitergegeben haben, ist nicht neu. Gelehrte Studien (etwa von Moritz Steinschneider oder Franz Rosenthal), die freilich ihren Weg selten aus den Elfenbeintürmen der Fachwissenschaft in die Öffentlichkeit fanden, haben davon gehandelt; einem Autor wie Freely gelingt es hingegen, fast spielerisch mit dem enorm komplexen Thema umzugehen und den Leser zudem stilistisch so zu fesseln, dass er auch manche Verständnisschwierigkeiten bei den wissenschaftlichen Theorien mutig angeht. Wissenschaftsgeschichte wird, mit all ihren Nebenzweigen, zu einer überaus spannenden Kulturgeschichte.

          Es ist dem Autor hoch anzurechnen, dass er die ersten Kapitel ausführlich dem frühen und klassischen Griechentum sowie dem Hellenismus widmet. In einer Zeit nachlassender humanistischer Bildung kann man nicht mehr voraussetzen, dass die ionischen Naturphilosophen, die - beginnend mit Thales von Milet - als Erste die Frage nach der „arche“, dem Ursprung aller Dinge, stellten, dass Heraklit, Platon und Aristoteles, Pythagoras und Euklid, Ptolemaios und Archimedes, gar Erathostenes, Eudoxos von Knidos und Aristarch von Samos als Allgemeinwissen noch präsent sind.

          Empirische Forschung in der Antike

          Nach der „griechischen Schule“ widmet sich Freely Alexandria, jener zweitgrößten Stadt der Antike, die in hellenistischer und römischer, später dann frühchristlicher Zeit nicht nur den ungemein anregenden Neuplatonismus von Ammonios Sakkas und Plotin hervorbrachte, sondern das gesammelte Wissen der Griechen in den Naturwissenschaften und der Technik in ihren Mauern pflegte. Symbol dafür wurde die berühmte alexandrinische Bibliothek. Alexandria war kurz vor und kurz nach der Geburt Christi ein Wissens-Biotop erster Güte, Hort auch zahlreicher Weltanschauungen, Religionen und synkretistischer orientalischer Kulte. Das griechische Wissen wanderte nach Rom, Konstantinopel und Gondischapur, das heißt in den Einflussbereich der persischen Sassaniden. Dort hüteten vor allem die Nestorianer das medizinische Wissen der Antike und gaben es in Gestalt bekannter Gelehrter - so der berühmten Arztfamilie der Buchtischu, über die der arabische Historiker Ibn Abi Usaybia berichtet - an den jungen Islam weiter.

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