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Reza Aslan: Zealot : Für einen Messias hatte Rom nur das Todesurteil parat

  • -Aktualisiert am

Bild: Random House

Auf bewährten historischen Pfaden und mit dem Rückenwind peinlicher Anfeindungen gegen den Autor: Reza Aslans Buch über das Leben des Jesus von Nazareth.

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          Ein alter Streit. Soll für die Gültigkeit eines Arguments nur von Bedeutung sein, ob es nach den Regeln der Kunst entwickelt und begründet ist, oder muss auch beachtet werden, wer spricht und mit welchen möglichen Absichten? Letzteres prägt die Diskussion über „Zealot“, seit eine überforderte Moderatorin im Sender FoxNews den Autor fragte, ob er als Muslim denn ein Buch über Jesus schreiben dürfe. Das peinliche Interview ist auf Youtube zu besichtigen, und die Debatte über den Zustand des religionspolitischen Diskurses in den Vereinigten Staaten kann hier auf sich beruhen.

          Doch die Aufregung ist nicht allein der bewegten Konfessionskarriere von Reza Aslan geschuldet, sie speist sich auch aus der verknappten Wiedergabe seiner Hauptthese: Jesus war zu Lebzeiten ein illiterater Wanderprediger und Wundertäter in der Tradition der jüdischen „Eiferer“, denen es immer wieder gelang, große Anhängerschaften um sich zu versammeln und die Erwartungen an einen Messias als Befreier und Nachfolger König Davids auf sich zu ziehen. Als solcher forderte er die etablierte Ordnung heraus und wurde schließlich von der römischen Besatzungsmacht als Aufrührer hingerichtet, wie andere vor und nach ihm.

          Jesus von Nazareth und Jesus Christus

          Der Versuch, Jesus von Nazareth strikt von Jesus Christus zu trennen und Ersteren als eine zumindest der Wirkung nach revolutionäre Figur zu zeichnen, ist nun alles andere als neu, sondern bildet einen alten Strang in der Leben-Jesu-Forschung. Aslan, gelernter Religionswissenschaftler und Professor für Kreatives Schreiben, wertet einschlägige Studien aus und kann insofern keine besondere Originalität beanspruchen. Dafür schildert und erörtert er anschaulich, streckenweise fesselnd, ohne zum Romancier zu werden. Eine seiner Thesen legt nahe, das Buch als eine Tragödie zu lesen: Einmal mit dem Etikett des Messias behängt, konnte Jesus nur noch den einen Weg bis zum vorgezeichneten Ende gehen.

          Viel Raum gibt Aslan der Lebenswelt und dem zeitgeschichtlichen Hintergrund. Dabei folgt er (mit einigen Ungenauigkeiten) einer in der englischsprachigen Althistorie mittlerweile vorherrschenden, aus postkolonialem Selbsthass erwachsenen Richtung, die römische Herrschaft als Kombination aus brutaler Gewalt und Paktieren mit kollaborations- und assimilierungswilligen lokalen Eliten zu sehen. Methodisch fragt er mit Blick auf Jesus, welche überlieferten Tatsachen, Episoden und Aussprüche - wie etwa die berühmte Tempelreinigung oder die weniger bekannte Aufforderung an die Jünger, ihre Mäntel zu verkaufen und dafür Schwerter zu erwerben - in diesen Kontext passen, welche anders als üblich zu interpretieren sind und welche für eine historische Rekonstruktion ganz verworfen werden sollten, weil sie aus dem Bemühen der frühen Christen erwachsen seien, sich vom nach dem Aufstand um 70 nach Christus politisch noch suspekter gewordenen Judentum zu distanzieren.

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