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: Revolution am Standort D

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Von der Autoindustrie lernen heißt siegen lernen. Das ist - kurz und verknappt - die Losung, mit der Stephan Scholtissek den Standort Deutschland retten will. "Die dritte Revolution der Wertschöpfung", ruft der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture in seinem neuen Buch aus und meint ...

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          Von der Autoindustrie lernen heißt siegen lernen. Das ist - kurz und verknappt - die Losung, mit der Stephan Scholtissek den Standort Deutschland retten will. "Die dritte Revolution der Wertschöpfung", ruft der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture in seinem neuen Buch aus und meint damit nichts anderes, als daß sich Unternehmen auf die notwendigsten Kernkompetenzen beschränken sollten. Nicht nur in der Produktion, wo die Autobauer dieses Prinzip längst beherzigt haben. "Beim Cayenne hat Porsche eine Fertigungstiefe von zehn Prozent", sagt Scholtissek. Bei Banken und Versicherungen liege der Wert dagegen bei 80 bis 90 Prozent. "Würde die Autoindustrie genauso produzieren, würden sie sogar die Schrauben noch selber herstellen."

          In der zweiten Revolution - Stichwort: Lean Management - hat die Autoindustrie große Teile der Produktion an Zulieferer ausgegliedert. Die Folge waren "niedrigere Kosten und höhere Qualität", argumentiert Scholtissek. Bei der dritten Revolution gehe es nun darum, interne Dienstleistungen und Verwaltungsarbeiten an Externe zu vergeben und mit denen in "Innovationspartnerschaften" weiter zu entwickeln. Die Datenverarbeitung sowieso, aber auch Einkauf, Personalverwaltung, Rechnungswesen, Kundenservice, Marketing, Forschung und Entwicklung. All das könne ausgelagert werden. "Rein theoretisch liegt die Grenze des Outsourcing bei fast 100 Prozent", sagt der Accenture-Chef und führt als Beispiel die niederländische Tochter der Allianz an. Die hocheffiziente Versicherung Universe Leben bestehe aus zwei Mitarbeitern, eingebunden in ein Netz von Partnern.

          Spielraum für Auslagerungen sieht Scholtissek in allen Branchen. Telekom, Energie, Logistik, Automobilindustrie, öffentlicher Dienst. Überall werde Geld vergeudet, weil Unternehmen glauben, alles selbst machen zu müssen. "Von jedem Euro, den die deutsche Wirtschaft sowie Bund und Länder für Dienstleistungen und Verwaltung ausgeben, könnten 11,6 Prozent eingespart werden", rechnet Scholtissek vor und kommt so auf eine "Wertschöpfungsreserve" von insgesamt 40 Milliarden Euro.

          Beispiel Daimler-Chrysler: Hätte der Konzern die Vertriebs- und Verwaltungskosten mittels Outsourcing auch nur um 15 Prozent gesenkt, hätte der Konzerngewinn im Jahr 2002 um 50 Prozent gesteigert werden können. Viele Manager könnten ihr Ergebnis sogar "glatt verdoppeln", glaubt Scholtissek.

          Kurzfristig kalkuliert er mit einem Marktvolumen von 30 Milliarden Euro für externe Dienstleister, bis zum Jahr 2010 könne der Markt auf 50 Milliarden Euro anwachsen. "Da entsteht eine komplett neue Industrie. Ähnlich gewichtig wie heute die Autozulieferer." Mit zweifach positivem Effekt für den Arbeitsmarkt: Die Dienstleister schaffen neue Jobs. Und ihre Auftraggeber gewinnen an Wettbewerbsfähigkeit, können sich so länger den Hochlohnstandort Deutschland leisten.

          Den Kuchen der externen Dienstleister werden sich eine Handvoll Mitspieler aufteilen, prophezeit der Accenture-Chef. Daß er für sein Unternehmen eine wichtige Rolle sieht in diesem "stabilen Oligopol", das muß nicht eigens erwähnt werden.

          Dietmar Fink, Thomas Köhler, Stephan Scholtissek: Die dritte Revolution der Wertschöpfung. Mit Co-Kompetenzen zum Unternehmenserfolg. Econ, 29 Euro.

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