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: Republikaner gegen Bush

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Am späten Nachmittag des 12. September 2001 sagte der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld während einer Krisensitzung, da es in Afghanistan kaum geeignete Ziele für Luftangriffe gebe, werde man eben den Irak angreifen: "Da gibt es lauter gute Ziele." Am Tisch saß auch der Antiterrorbeauftragte ...

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          Am späten Nachmittag des 12. September 2001 sagte der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld während einer Krisensitzung, da es in Afghanistan kaum geeignete Ziele für Luftangriffe gebe, werde man eben den Irak angreifen: "Da gibt es lauter gute Ziele." Am Tisch saß auch der Antiterrorbeauftragte des Nationalen Sicherheitsrates, Richard Clarke, der tags zuvor im Weißen Haus die Reaktionen der Regierungsstellen koordiniert hatte: "Zuerst dachte ich, Rumsfeld macht einen Scherz."

          Das war klug gedacht, denn der Sinn für Humor der Bush-Administration ist schon jetzt legendär. Weil es aber ernst war und der Irakkrieg kam, schied Clarke aus dem Dienst aus. Zuvor hatte er Außenminister Powell noch mitgeteilt, den Irak anzugreifen sei in etwa so sinnvoll, als hätte Roosevelt nach Pearl Harbour nicht Japan, sondern Mexiko angegriffen. "Against All Enemies", Clarkes Buch über seine Zeit als oberster Antiterrorexperte, wurde zu einer literarischen Sensation: Bereits in den ersten Tagen war es überall ausverkauft. Es ist das dritte Buch in Folge, das die Bush-Regierung in nie zuvor erlebter Deutlichkeit bloßstellt. Alle drei Bücher wurden von ehemaligen Parteigängern Bushs geschrieben, von politisch weit rechts stehenden Männern also. Richard Clarke ist alles andere als eine Taube: Er hat mehrmals Mordversuche gegen Bin Ladin ausgeheckt, eine Antiterroristen-Agenda mit dem schönen Namen "Delenda" entworfen und 1998 die umstrittene Bombardierung einer Arzneimittelfabrik in Khartum verantwortet. Sein großes politisches Vorbild ist, neben Ronald Reagan, George Bush senior. Der seit einer Woche mit allen Mitteln arbeitenden Gegenkampagne der Regierung fällt es daher schwer, Clarke zu diskreditieren.

          Vizepräsident Cheney erklärte, Clarke sei bei vielen Diskussionen gar nicht dabeigewesen. Diese Taktik hielt aber nicht sehr lange. Daß der oberste Antiterrorbeauftragte der Regierung nicht zum Kreis der Terrorismusbekämpfer gehört habe, klingt sogar für konservative Journalisten nicht sehr glaubwürdig. Ein Kommentator schrieb: Clarke gehörte in diesen Fragen nicht nur zum Kreis der Eingeweihten, er war der Kreis.

          Clarkes Buch ist nicht nur ein Desaster für die Regierung, es ist auch hervorragend geschrieben und vermittelt daher selbst dem distanzierten Leser noch eine Ahnung jener kalten Schauer, die auch den Autor in den letzten Monaten seiner Amtszeit überfallen haben müssen. Beim Lesen dieses und der anderen Bücher denkt man eigentlich nur noch eins: Das darf doch alles gar nicht wahr sein. Bald werden die Sottisen Michael Moores über den Alkoholiker, Schulversager und schlechte Witze reißenden Bush für seine schrumpfende Anhängerschar noch die angenehmste Lektüre sein. Moore ist lange nicht so erschreckend wie das Werk von Kevin Phillips, "American Dynasty". Auf dem Cover sieht man Bush Vater und Sohn einträchtig beim Hochseefischen, dahinter dräut schon ein dunkler Gewitterhimmel. Der Untertitel lautet: "Wie der Bush-Clan zur mächtigsten und gefährlichsten Familie der Welt wurde". Es geht dort um die gleichen Themen, die auch in Moores Büchern prominent vertreten sind, also um die intimen Beziehungen zur saudischen Königsfamilie, den Dreiklang aus Big Oil, Big Money und Old-Boys-Verbindungen, die in der Dynastie zusammenfinden, also um Halliburton und Enron. Wo Moore nur plaudert, kann sich Phillips auf langjährige Recherchen stützen. Ihm fehlt dafür aber auch der letzte versöhnliche Gestus, den Moore immerhin aufbringt, wenn er Bush vorschlägt, doch Gebrauchtwagen zu verkaufen, dann könne man wieder befreundet sein. Phillips' These ist, daß die Bushs und ihre Verbündeten dabei sind, in einem auf Geheimhaltung und Desinformation basierenden Politikstil die Republik durch ein dynastisches Prinzip zu unterminieren, während sie das Wohl des Staates vernachlässigen.

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