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: Reiz des Klimas

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Samuel Johnson war kein Freund von Gesprächen über das Wetter, das seiner Ansicht nach einer Person von hinreichender geistiger Disziplin gleichgültig zu sein hatte. Doch viele seiner britischen Zeitgenossen sahen das anders: Gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts begannen sie, das Wetter systematisch zu beobachten.

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          Samuel Johnson war kein Freund von Gesprächen über das Wetter, das seiner Ansicht nach einer Person von hinreichender geistiger Disziplin gleichgültig zu sein hatte. Doch viele seiner britischen Zeitgenossen sahen das anders: Gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts begannen sie, das Wetter systematisch zu beobachten. Auf diese Weise bekam auch der alte Begriff des Klimas einen neuen und empirisch greifbareren Sinn, wozu nicht zuletzt immer weitere verbreitete Instrumente wie Thermometer und Barometer beitrugen. Jan Golinski schildert in seinem Buch, wie das Wetter im achtzehnten Jahrhundert zum Gegenstand nationaler Aufmerksamkeit wurde. Man erkannte in ihm eine natürliche Grundlage für Gesundheit und Wohlfahrt, schärfte an ihm den Sinn für einschneidende Entwicklungen, spekulierte über seine Auswirkungen auf den Lauf der Geschichte und gestand ein, dass es niemals auf verlässliche Regularitäten zu reduzieren sein würde. In extremen Wetterphänomenen fand man eine natürliche Grenze des aufklärerischen Projekts der Beherrschung der Natur und des verordneten vernünftigen Gleichmuts gegenüber den Naturphänomenen. Kurz, der britische Diskurs über Wetter und Klima im achtzehnten Jahrhundert war bereits auffallend modern. Das macht diesen Rückblick auf das "Klima der Aufklärung" besonders reizvoll. (Jan Golinski: "British Weather and the Climate of Enlightenment". Chicago/London, University of Chicago Press 2007. 284 S., geb., 18,- £.) hmay

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