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Ranulph Fiennes: Scott. Das Leben einer Legende : Die Wahrheit liegt im ewigen Eis

Bild: Mare Verlag

Über die Hölle schreibt am besten nur einer, der selbst dort gewesen ist: Ranulph Fiennes greift mit seiner Biographie über den Polarforscher Robert Scott dessen Kritiker scharf an.

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          Am 17. Januar 1911 standen fünf Briten am Südpol vor einer norwegischen Fahne. Der Trupp um den Engländer Robert Falcon Scott kam drei Wochen zu spät: Der Norweger Roald Amundsen hatte den Wettlauf zum Südpol gewonnen. Geschlagen machten sich die Briten auf den Rückweg - und fanden den Tod im südpolaren Schelfeis. In der Heimat wurden sie trotzdem als Helden gefeiert. Scotts Tagebuch, das er bis zum bitteren Ende geführt hatte, wurde ein Bestseller. Sein letzter Eintrag vom 29. März - „In Gottes Namen, seht nach unseren Leuten“ - machte ihn zum Inbegriff des britischen Gentleman.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Das änderte sich, als 1979 Roland Huntfords Biographie erschien. Der Autor warf Scott Inkompetenz vor und behauptete, der Polarforscher sei ein Stümper gewesen, der die Schuld am Tod seiner Kameraden trage. Diese Sichtweise änderte die Rezeption Scotts in den englischsprachigen Ländern nachhaltig. Huntford war der Meinungsführer, andere Biographen folgten ihm. 1985 vertiefte eine Fernsehdokumentation das Bild Scotts als Pfuscher. Erst im neuen Jahrtausend wurde Kritik an Huntfords „antihistorischem“ Urteil laut: Prominentester Huntford-Kritiker ist Sir Ranulph Fiennes, dessen 2003 erschienenes Buch „Scott. Das Leben einer Legende“ nun auf Deutsch vorliegt.

          Sind Hundeschlitten unbritisch?

          Als bekennender Bewunderer Scotts reitet Fiennes darin eine scharfe Attacke auf Huntford und widerlegt dessen Kritik an Scott in einem eigenen Kapitel von knapp vierzig Seiten. Fiennes - derzeit Richtung Antarktis unterwegs, die er ohne Unterstützung auf Skiern durchqueren will - hat als erster Mensch die Welt zu Fuß umrundet. Der Achtundsechzigjährige gilt als größter lebender Forschungsreisender. In der Einleitung stellt er klar, dass er besonders gut in der Lage sei, die Expedition Scotts zu beurteilen: „Keiner der früheren Scott-Biographen hat je einen vollbeladenen Schlitten aus eigener Kraft über die riesigen, von Spalten zerklüfteten Felder des Beardmore-Gletschers gezogen, hat Eisfelder erforscht, die noch kein menschliches Auge gesehen hatte, oder ist tausend Meilen weit mit frostgeschädigten Füßen marschiert. Um über die Hölle zu schreiben, ist es nicht schlecht, schon einmal dort gewesen zu sein.“

          Das klingt arrogant, aber im Fortgang seiner Mischung aus historischem Sachbuch und Biographie gelingt es Fiennes, anhand eigener Erfahrungen plausibel darzulegen, warum er die Leistung Scotts bewundert. So zitiert er beispielsweise aus den Notizen Scotts, dass dieser schon früh angefangen habe, den Speiseplan der Expedition mit Pinguinfleisch zu bereichern, um Vorhaltungen, Scott habe nicht erkannt, wie wichtig Frischfleisch im Kampf gegen Skorbut sei, als falsch zu entlarven. Ein weiterer Kritikpunkt ist stets gewesen, dass Scott seine Schlitten nicht wie Amundsen von Hunden hat ziehen lassen, sondern auch Menschen und Ponys einsetzte: Er habe Hundeschlitten als unbritisch abgelehnt. Fiennes zeigt jedoch, dass Scott sich darüber Gedanken gemacht und sich über die Möglichkeiten des Fortkommens in Eis und Schnee informiert hat.

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