https://www.faz.net/-gr3-753y3

Raimund Schulz: Feldherren, Krieger und Strategen : Richtung Steppe half nur Verreiterung

  • -Aktualisiert am

Bild: Verlag

Achtung, Sie betreten eine Militärzone: Althistoriker Raimund Schulz bietet Orientierung im Schlacht-getümmel der Antike, weil er den Krieg als wesentlichen Faktor historischer Entwicklung ernst nimmt.

          Der Titel klingt nach klassischer Geschichtsschreibung über große Männer. Doch weit gefehlt. Der Bielefelder Althistoriker Raimund Schulz erliegt nicht der Versuchung, das antike Kriegsgeschehen allein aus der Perspektive der Herrschenden zu beleuchten. Vielmehr gelingt ihm ein beeindruckendes Gesamtbild vom Krieg in der Antike. Dazu überträgt er Modelle und Analyseprinzipien, die in Überblicksdarstellungen zum Krieg im Mittelalter und in der Neuzeit zur Anwendung kommen, auf die antiken Kriegsszenarien, die bereits ähnlich mannigfaltige Formen der Kriegführung kannten wie die folgenden Zeitalter.

          Umso vertrauter wirkt die Typologie antiker Kriege, die Schulz von Achill bis Attila beschreibt: Mal ist von Kleinkrieg, Überfällen und Plünderungen die Rede, mal vom Aufmarsch großer Heere, die Siege auf dem Schlachtfeld suchen, Städte belagern und Eroberungszüge unternehmen. Die Vielfalt der Gewaltformen an Land spiegelt sich auf dem Meer: Große Seeschlachten werden von Kaperfahrten begleitet, die Küstenorte und Handelsschiffe bedrohen. Hinzu kommen Privat- und Söldnerkriege kleiner Kampfgruppen, die genauso zum kriegerischen Alltag zählen wie der offiziell erklärte Krieg.

          Der Kern aller Armeen

          Diese Formen von Gewalt ordnet Schulz wiederum „naturalen Großräumen“ unterschiedlicher Tradition zu. Dabei spricht er von „Militärzonen“, sofern ein enger Zusammenhang besteht zwischen einer bestimmten Kriegsform und dem geographischen Raum, in dem sie entwickelt wurde und das Kampfgeschehen dominierte. Vier derartige Zonen hat Schulz für die Antike identifiziert: erstens die mediterrane Welt bis zu den großen Flussläufen von Rhein und Donau im Norden und Westen sowie der ariden und semiariden Zone zwischen Atlantik und der arabischen Halbinsel im Süden.

          Zwar räumt Schulz ein, dass sich Althistorikerkollegen neuerdings schwer damit tun, diesen geographischen Großraum als einen zusammenhängenden historischen Ereignisraum zu erfassen. Unbestritten bleibe jedoch, dass Krieg in den urbanisierten Mittelmeerländern in auffallend ähnlichen Formen abgelaufen sei. Demnach bildete die schwere Infanterie den Kern aller Armeen, flankiert von der Reiterei und unterstützt von Leichtbewaffneten und Spezialverbänden. Parallel wurden Schiffe mit mehreren Ruderreihen und Rammsporn zur Standardwaffe des Seekrieges.

          Nomadische Gemeinschaftsbildung

          Demgegenüber maßen die vorderasiati-schen Königreiche dem Streitwagen, dann in Reaktion auf die asiatischen Reitervölker der Kavallerie und den Bogenschützen weitaus größere Bedeutung zu. Dabei entstanden zum Teil stehende Armeen mit komplexen Waffengattungen in Gestalt von Kavallerie, geschlossen kämpfenden Infanteristen, Wagenkämpfern, Pionieren und Ingenieuren. Der Seekrieg spielte eine geringere Rolle und wurde küstennahen Verbündeten und Untertanen wie beispielsweise den Phönikern übertragen.

          Die dritte Militärzone, bestehend aus den west- und nordeuropäischen Binnenräumen, war geprägt von gefolgschaftlich organisierten Kriegergruppen, die den Kampf zu Fuß bevorzugten und auf technisch anspruchsvolle und folglich teure Waffengattungen verzichteten. Damit ähnelten sie nach der Analyse von Schulz der frühen mediterranen Kriegführung, während ihre Operationen zur See nie das technische und organisatorische Niveau der Mittelmeeranrainer erreichten.

          Weitere Themen

          Neues Edel-Entree für Berliner Museumsinsel Video-Seite öffnen

          Architektonische Kunstwerk : Neues Edel-Entree für Berliner Museumsinsel

          Die James-Simon-Galerie ist fertiggestellt und soll im Sommer 2019 eröffnet werden. Das Haus soll zentrales Empfangsgebäude sein und mehrere Museen miteinander verbinden. Die Pläne stammen aus dem Berliner Büro des renommierten britischen Architekten David Chipperfield.

          Über den Fjord mit sehr kleinen Mopeds

          Album der Woche : Über den Fjord mit sehr kleinen Mopeds

          Warum soll internationale Popmusik nur englische Texte haben? Schwedische Finnen singen melancholische Heimatlieder auf Deutsch: Die Gruppe Vasas Flora och Fauna sammelt „Strandgut“.

          Topmeldungen

          Jahr beendet, Saison noch nicht: Arjen Robben bei Bayern München.

          Bayern München : Fußball-Jahr für Robben beendet

          Seine Bayern-Karriere endet am Saisonende. Nun geht Robben auch verfrüht in die Winterpause. Trainer Kovac bezeichnet derweil Sportdirektor Salihamidzic und sich als „bad boy und good boy“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.