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Rihanna-Bildband : Ein Buch als Star

Farbfilm ist bleich gegen dieses Schwarzweiß: Mit Jennifer Rosales (rechts) im Jahr 2013 in Macau auf der Diamonds World Tour. Bild: Dennis Leupold

Ihre Fans kennen Rihanna vor allem als Sängerin. Jetzt hat sie ein großformatiges Buch aus ihrem Leben gemacht, das sich selbst verhält wie ein Star.

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          Auf einmal wurde es still im Kino. Das Publikum unterdrückte im Sommer 2017 seinen notorischen Geräuschzwang, denn allen im Raum war klar, dass hier gerade Schauspielerei von seltener Intensität ausgerechnet in Luc Bessons knallige Filmzuckertüte „Valerian“ hatte aufblitzen dürfen: Eine damals neunundzwanzigjährige Frau von der Insel Barbados namens Robyn Rihanna Fenty, die einem Millionenpublikum längst unter ihrem mittleren Namen als Sängerin bekannt war, rang der kuriosen Rolle einer außerirdischen Varietétänzerin für einen Moment ein Bild der Würde und Güte in völliger Verlorenheit ab, bei dem selbst Filmverwöhnte trocken schlucken mussten.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Die visuelle Selbstdarstellung nimmt Rihanna, wie sich zeigte, nicht minder ernst als ihre Stimme. Jetzt hat sie einen Bildband aus sich gemacht, der sich verhält wie ein Star: Er rechtfertigt seine Existenz nicht lange mit Text, sondern bezaubert mit rein sinnlichen Effekten.

          Weder reine Modestrecke noch Dokumentarfilm zum Blättern, zeigt das Werk die Dame, um die es geht, teils selbstversunken im malerischen Nirgendwo, teils als berühmte Person unter noch berühmteren anderen wie bei den Aufnahmen von den Dreharbeiten fürs Musikvideo zum Song „FourFiveSconds“ mit dem Rapper Kanye West und dem Racker Paul McCartney.. Auf denen wirkt sie gleichzeitig wie die einerseits Jüngste und andererseits die einzige Erwachsene im Bild: biologisches und soziales Alter müssen nicht zusammenfallen; das wird die Kulturkritik bestimmt weiterbringen, wenn jemand es aus dem Fotografischen ins Akademische übersetzt.

          „Rihanna“. Phaidon Press, London 2019. 504 S., Abb., geb., 140,– €.

          Wenn Rihanna asiatische Nudelsuppe isst, sieht das lässig aus wie Humphrey Bogart beim Rauchen, und wenn sie tatsächlich raucht, wirkt sie wie eine Drachenpriesterin, die nach dem Opferritual gelöst Qualm ausatmet. Gibt’s in Hollywood eigentlich schon eine Sekte, deren heilige Schrift ein Bilderbuch ist? Respektvoll wickelt sich edler Stoff um die Künstlerin wie Nebel um eine Zypresse; Wasser und Himmel diskutieren, ob Azur oder Ultramarin der bessere Hintergrund für sie ist; und dass man Lippenstift aus Porzellan machen kann, wussten vor diesen Tableaus nur alte Prosaskizzen von André Breton.

          War Rihanna nicht eigentlich Musikerin? So viele und so gute Platten, wie die Fotos in „Rihanna“ als mögliche Cover versprechen, kann niemand hören, geschweige einspielen. Das ist aber auch nicht nötig, sie hat da längst alles bewiesen, was zu beweisen war, erst mit dem Track „Umbrella“ (2007) an der Eingängigkeitsfront, zehn Jahre später dann des Kontrast wegen mit dem gerade nicht durch Ohrwurm-Einzelschönheiten von der Tiefe und Breite seiner Langspielplattenarchitektur ablenkenden Album „Anti“ (2016). Unter den Frauen, die heute die ästhetische Verfeinerungsarbeit im Popmusikfach fast allein leisten, gibt es von FKA twigs über Janelle Monáe bis zu Sudan Archives zwar einige, die musikalisch binnenkomplexer arbeiten. Aber die kunstpolitische Idee, die sie alle verbindet, nämlich Selbstdarstellung als Überwindung einer Kunstauffassung, die sich im Beruferaten gefällt – ist das eine Sängerin, Schauspielerin, Performancekünstlerin? –, lebt Rihanna deutlicher als alle anderen genau da aus, wo sie die stärkste Wirkung entfaltet: an jener Oberfläche, die im Handel wie in der Liebe „Werbung“ heißt.

          „Rihanna“. Phaidon Press, London 2019. 504 S., Abb., geb., 140,– €.

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