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Die Einladung, an der Universität Oxford die aus dem Vermächtnis des Reverend James Ford finanzierten Vorlesungen zu halten, ist eine der größten Auszeichnungen für Historiker Englands. In sechs Vorträgen ist ein Gegenstand aus der englischen (seit 1994: "britischen") Geschichte zu behandeln, wobei eine Epochen- oder Problemsynthese auf der Grundlage von Quellenforschungen erwartet wird.

          Die Einladung, an der Universität Oxford die aus dem Vermächtnis des Reverend James Ford finanzierten Vorlesungen zu halten, ist eine der größten Auszeichnungen für Historiker Englands. In sechs Vorträgen ist ein Gegenstand aus der englischen (seit 1994: "britischen") Geschichte zu behandeln, wobei eine Epochen- oder Problemsynthese auf der Grundlage von Quellenforschungen erwartet wird. Die Liste der Buchfassungen der Vorlesungen enthält Klassiker wie Christopher Hills "Intellectual Origins of the English Revolution". Im akademischen Jahr 2002/03 hielt Quentin Skinner, damals Königlicher Professor für neuere Geschichte an der Universität Cambridge, die Ford Lectures über das Thema "Freedom, Representation and Revolution, 1603-1651". Die Vorträge zum Problem der Repräsentation hat Skinner als Aufsätze publiziert. In Buchform liegen jetzt die Kapitel über die Freiheit vor - die Freiheit in den Werken des Thomas Hobbes von "The Elements of Law" (1640) über "De cive" (1642) bis zum "Leviathan" (1651).

          Gleichzeitig ist eine deutsche Version erschienen, die auf die Adorno-Vorlesungen des Instituts für Sozialforschung und des Suhrkamp Verlages im Jahr 2005 zurückgeht. Was in Oxford im Zusammenhang von Deutungen des englischen Bürgerkrieges stand, stellte Skinner in Frankfurt als Beitrag zur "Theoriebildung in den Humanwissenschaften" zur Diskussion. Die Adorno-Vorlesungen sollen laut Statut den Einfluss Adornos auf diese Theoriebildung fördern. In der Buchfassung kommt Adorno weder explizit noch - diese Feststellung kann man wagen, obwohl Skinner ein Fachmann für versteckte Botschaften ist - implizit vor. Die Vorlesungen sollen allerdings auch keine "philologische Ausdeutung" Adornos bieten. (Nebenbei: Will Suhrkamp sich mit dem Umzug nach Berlin eigentlich auch aus den Fesseln solcher selbstauferlegter Pietätspflichten lösen?)

          Toten Denkern ohne philologische Anstrengung Einfluss auf die heutige Theoriebildung zu verschaffen: dafür gäbe Skinner sich nie her. Denn gegen solche Prätentionen richtete sich in den sechziger Jahren die Attacke der Cambridge-Schule der Geschichte des politischen Denkens, als deren Haupt Skinner neben John Pocock gilt. Skinners Adorno-Vorlesungen bieten eine philologische Ausdeutung der Entwicklung des Freiheitsbegriffes von Hobbes nach allen Regeln der Kunst. So ziehen sie zur Interpretation der von Hobbes verwendeten Wörter die Bücher heran, die Hobbes als Hauslehrer der Grafen von Devonshire in der gräflichen Bibliothek zur Hand hatte.

          Skinners Verdienst um die Theoriebildung in den Humanwissenschaften, das am Wochenende mit dem an Niklas Luhmann erinnernden Bielefelder Wissenschaftspreis gewürdigt wurde, ist die Betonung des agonalen Kontextes der politischen Philosophie. Was wollte ein politischer Denker sagen? Skinner übersetzte diese Frage in den berühmten Aufsätzen seiner Jugend, die bereits Hobbes als Exempel wählten, mit Austin und Wittgenstein: Was wollte der politische Denker tun? Die Frage nach der Intention führt auf die Frage nach dem Gegner. (Sollte Suhrkamp in Berlin statt Hegel-Vorlesungen - gibt's schon, in Dahlem, natürlich als Hegel Lectures - Schmitt-Vorlesungen stiften wollen, könnten sie Skinner noch einmal einladen.)

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