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Herzog von Edinburgh : Der letzte der idealen Gatten

  • -Aktualisiert am

Unerschütterliche Begeisterung für den Herzog von Edinburgh: Porträt einer Ehe.

          7 Min.

          An einem sonnigen Sommertag des ausgehenden 20. Jahrhunderts besuchte Prinz Philip ein kleines College in Cambridge. Der Rasen war frisch geschnitten, die Mülltonnen beiseite geräumt und das Empfangskomitee in Stellung gebracht. Es bestand aus der obligatorischen ethnischen Mischung, wobei in der Auswahl der Studentinnen besonders auf die äußere Schönheit geachtet worden war. Eine attraktive Griechin (Medizin, drittes Semester) war folglich auch die erste Anlaufstelle des Prinzen. Ob es ihr denn in Großbritannien gefalle? "Natürlich", antwortete die Schöne: "Wir Griechen haben uns hier doch ein ganz nettes Auskommen geschaffen." Die Anspielung kam überraschend schlecht an. Prinz Philip wird weder gerne an seine Einkommensquelle noch an seine griechische Herkunft erinnert. "Phil the Greek" titelt die britische Klatschpresse regelmäßig, wenn wieder einmal etwas in seinem Leben schiefgelaufen ist. Bis heute ist der Herzog von Edinburgh der ewige Einwanderer, der arme Schlucker, der jahrelang ohne feste Adresse lebte, bis man ihn großzügig aufnahm.

          Die Kritik an ausländischen Prinzen hat eine gewisse Tradition. Schon 1870 schrieb Königin Victoria ihrer Tochter, der preußischen Kronprinzessin, die Briten hätten eine Aversion gegenüber ausländischen Heiraten entwickelt, besonders wenn die Heiratskandidaten arm wären oder politische Verwicklungen mit sich brächten. Für den Historiker David Cannadine ist die englische Königsfamilie über die Jahrhunderte hinweg von wahren "Invasionswellen deutscher Parvenus" heimgesucht worden - von den Hannoveranern über die Coburger zu den Mountbattens (Battenbergs). Tatsächlich ist dieser deutsch-britische Kulturkontakt jedoch nicht kontinuierlich als eine feindliche Übernahme empfunden worden. Internationale Heiraten boten immer wieder politische Vorteile und ein Standbein auf dem Kontinent. Der "Hannoveraner" George III. stieg zum nationalen Symbol gegenüber dem revolutionären Frankreich auf, und auch der Coburger Prinz Albert durchlief Phasen, in denen die Briten ihn zumindest schätzten, wenn auch nicht gerade liebten. Erst die Ereignisse des Ersten Weltkrieges führten dazu, daß George V. seine Kinder ermunterte, sich Ehepartner in der britische Aristokratie zu suchen - mit durchschlagendem Erfolg. Über George VI., mit der schottischen Queen Mum verheiratet, schrieb einmal der britische Generalkonsul in Berlin: "Es ist wirklich unglaublich. Royal George kann kein Wort deutsch, und sein Französisch ist absolut grauenhaft." Philips Einzug in die königliche Familie war demzufolge eher ein zufälliger Atavismus als eine orchestrierte Verschwörung gegen das britische Volk.

          Gyles Brandreth interessiert sich in seinem Buch "Philip und Elizabeth" jedoch nicht für diesen Kontext. Brandreth, ehemaliger Tory-Abgeordneter und Journalist, der sich für after dinner speeches buchen läßt, hat ein amüsantes Klatschbuch über Prinz Philip geschrieben. Es ist geschwätzig, hagiographisch und wird folgerichtig vom ARD-Adelskenner Rolf Seelmann-Eggebert im Klappentext enthusiastisch gefeiert. Doch anders als die unselige Hofberichterstattung bringt Brandreth genug Selbstanalyse auf, um dem Leser seine schmachtende Liebe gegenüber den Royals einzugestehen. Als Prinzenfreund ist er in Großbritannien oft persifliert worden, und Brandreth zitiert auch Satiren über seine eigene Person ausführlich: "Buckingham Palast, 22. Januar. Ich begrüße den Prinzen: ,Sie sind ein Juwel unseres Landes Sir!' Der Prinz holt aus und versetzt mir mit der Faust einen gutmütigen Schlag ins Gesicht. ,Wunderbar Sir!' rufe ich begeistert und bücke mich nach meinen Vorderzähnen unten auf dem herrlich blankpolierten Boden."

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