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Petra Dobner: Wasserpolitik : Wie löscht man den Durst der Welt?

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Jährlich treffen sich Tausende von Delegierten aus aller Welt zu „Wassergipfeln“ und „Wasserkonferenzen“. Was dabei herauskommt, ist enttäuschend, weil es nicht gelingt, die durchaus vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse so aufzubereiten und zu vermitteln, dass sie merklichen Einfluss auf die Wassernutzung hätten. Zu einigen „Mega-Events“ gab es nicht einmal Abschlussberichte. Der einzig greifbare Sinn und Zweck der Übung ist, so scheint es, dass sich viele Menschen treffen und angesichts des Elends ihre Betroffenheit zum Ausdruck bringen.

Gebt den Erfindergeist frei

Leider vermag das Buch den dysfunktionalen Zug dieser internationalen Betroffenheitsveranstaltungen nicht zu brechen. Denn die Autorin setzt auf ungefilterte Partizipation, möchte alle Gruppen von Akteuren an den Prozessen der Entscheidungsfindung zu beteiligen, zumal Delegierte aus armen Ländern und Frauen. So willkommen Frauen und Gesandte aus der Dritten Welt natürlich sind, so wäre es im Angesicht der Wassernot doch zwingend gewesen, den Sachverstand als oberstes Teilnahmekriterium stark zu machen. Das Thema verträgt keine politischen Proporz-Spielchen, wie sie faktisch an der wasserpolitischen Tagesordnung sind. Hier hat das Buch ärgerlicherweise eine Chance zum Widerspruch vertan.

Statt Absichtserklärungen bedarf es der Bereitschaft, eine eingeschliffene Pfründepolitik aufzubrechen, um das von den Vereinten Nationen proklamierte Grundrecht auf sauberes Wasser zu erfüllen. An die Adresse der wasserpolitischen Funktionäre müsste denn auch der Appell ergehen: Gebt den Erfindergeist frei! Man sollte, so legt das Buch bei aller Wasserkonferenz-Begeisterung dann doch nahe, mehr auf den Einfallsreichtum von Technikern und Naturwissenschaftlern setzen und sie anregen, konkrete Projekte zu entwickeln.

Zugang zur Ressource Wasser demnächst mit Gewalt

Die globalen Wasserprobleme sind nicht allgemeingültig oder global zu lösen; sie erfordern immer wieder andere lokale Ansätze, flexible Methoden, den Bau von Stauanlagen, Kanälen, Wasseraufbereitungsanlagen, die Bepflanzung von Trockengebieten mit Gewächsen, die gegenüber langen Trockenphasen resistent sind. Petra Dobner zitiert Peter M. Haas: „Wenn Entscheider mit den technischen Aspekten eines speziellen Problems nicht vertraut sind, wie sollen sie dann öffentliche Interessen formulieren und praktikable Lösungen erarbeiten?“ Tatsächlich ist hier einmal mehr das wasserpolitische Grundübel angesprochen, nämlich der fehlende Sachverstand von Politikern, die die Lösungsansätze der Techniker nicht wirklich durchdringen. Am Ende hängt es an der Fähigkeit dieser Techniker, sich in der Politik verständlich zu machen, ob der Durst der Welt gelöscht werden kann oder zunimmt. Es gibt keine Zeit zu verlieren, will man nicht erleben, wie sich die Menschen den Zugang zur immer knapper werdenden Ressource Wasser demnächst mit Gewalt verschaffen.

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