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„The Secret History of Magic“ : Dabei weiß der Zuschauer ja, dass er getäuscht wird

  • -Aktualisiert am

Zauberer Voronin bei der Jubiläumsgala zu 30 Jahren Tigerpalast in Frankfurt Bild: Rainer Wohlfahrt

Zur Wirkungsgeschichte von Illusionen: Peter Lamont und Jim Steinmeyer versprechen Erhellendes über die Geschichte der Zauberkunst. Das ist wahr und falsch zugleich, aber bei Magiern ist das möglich.

          Würde man Menschen auf der Straße nach Künstlern vergangener Zeiten fragen – Malern, Komponisten, Schriftstellern oder Sängern –, würden Namen nur so sprudeln. Rembrandt, Picasso, Goethe und Schiller, Bach und Beethoven. Und gewiss auch Elvis, die Beatles sowie Amy Winehouse. Fragt man hingegen nach Zauberkünstlern, sähe es anders aus. Außer ein paar lebenden Magiern wie David Copperfield, Penn & Teller sowie neuerdings vielleicht den Ehrlich Brothers wäre von den historischen Größen allenfalls Houdini noch ein Begriff. Gestalten wie Pinetti, Bosco, Robert-Houdin, Döbler, Pepper, Carter oder Kalanag sind vergessen. Einst waren sie alle Medienstars, heute erinnert man sich nur in Expertenkreisen an sie.

          Ist die Kunst, Illusionen zu erzeugen, schlicht zu flüchtig, um jenseits individueller Erlebnisse bleibende Eindrücke im kollektiven kulturellen Gedächtnis zu hinterlassen? Hat es mit der Distanz zu tun, mit der Kritiker den sogenannten Klein- oder Unterhaltungskünsten traditionell begegnen? Ist es das Klischee vom Kinderkram, das einst durch bunte Anleitungsbücher und billige Zauberkästen vermittelt wurde und heute durch dilettantische Videoclips auf Youtube? Oder ist es die Rolle des der Zauberkunst immanenten Geheimnisses, die verhindert, dass sie als ernsthaftes Sujet mit eigener Geschichte wahrgenommen wird? Muss sich nicht eine Kunstform, die Anerkennung sucht, auch offen zu ihren Methoden bekennen? Aber wenn ja: Geht das bei der Zauberkunst überhaupt? Oder schafft sie sich ab, wenn sie den Schleier lüftet?

          Tatsächlich betrachten Wissenschaftler, die sich mit den darstellenden Künsten beschäftigen, die „säkulare“ Magie bislang bestenfalls aus den Augenwinkeln. Erstaunlich ist das nicht, denn die Quellenlage ist schwierig. Es mangelt an wissenschaftlicher Grundlagenarbeit. Bis heute fehlen verlässliche Bibliographien über das Schrifttum zu Trickgeheimnissen. Das liegt daran, dass solche Werke oft privat verlegt, nur in kleinen Auflagen gedruckt und lange Zeit lediglich auf besonderen Vertriebswegen verbreitet wurden. Zur Feder gegriffen haben überdies vornehmlich enthusiastische Dilettanti.

          Die Melange von Fakten und Anekdoten

          In historischer Hinsicht haben sie sich meist auf das Schreiben von Biographien beschränkt – gern aus dem „Golden Age of Magic“, also der Zeit der großen Bühnenheroen um 1900. Ihren Protagonisten mögen diese Werke gerecht werden. Übergreifende Erkenntnisse hingegen bleiben sie schuldig. Und wo bis dato tatsächlich versucht wurde, eine „Geschichte der Zauberkunst“ in toto zu präsentieren, hat oft die Leichtigkeit verstört, mit der Fakten und Anekdoten eine Melange eingingen.

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          Da lässt es aufhorchen, wenn eine „Secret History of Magic“ erscheint, deren Untertitel „Die wahre Geschichte der Täuschungskunst“ verspricht, zumal deren Autoren für ein solches Vorhaben prädestiniert sind. Der erste, Peter Lamont, ist Historiker, Psychologe und Amateurzauberer. Er forscht und lehrt an der Universität Edinburgh. Wiederholt ist er durch Veröffentlichungen zur Wirkungsgeschichte von Illusionen hervorgetreten. Der Amerikaner Jim Steinmeyer ist einer der weltweit führenden Erfinder von Zauberkunststücken. Er gilt als das „Brain“ der Szene.

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