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Peter Koslowski: Ethik der Banken : Der Systemgedanke als billige Ausflucht

Bild: Verlag

Unethisch verhält sich für Peter Koslowski, wer den Kapitalmarkt am Kapitalmarktdasein hindert. Eine Wirtschaftsethik, die kein leeres Gerede sein will, muss die Natur der Sache treffen.

          Nun, da die großen Banken gerettet worden und die Wirtschaftenden auf der ganzen Welt offensichtlich dabei sind, die Finanzkrise abzuschütteln, legt der Wirtschaftsethiker Peter Koslowski seine „Ethik der Banken“ vor. Eigentlich, so schreibt er, sollte dieses Buch bloß eine modifizierte Neuauflage seines im Jahr 1997 erschienen Werkes sein. Weil aber „die Finanzkrise nicht nur eine Krise des Wirtschaftssystems, sondern auch eine Krise der Ethik der Finanzintermediäre“ sei, habe er es „völlig neu“ schreiben müssen.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Ihm geht es, bekennt er damit, wie so vielen anderen auch: Althergebrachte Wortschöpfungszusammenhänge genügen nicht, um zu beschreiben, was im Sommer 2007 in den Vereinigten Staaten begann, den Atlantik erst virtuell, dann real überschritt und nun einem stetig größer werden Konsens zufolge überstanden sein soll. Technisch ist „die Krise“ verstanden: Die Details hat Koslowski in seinem Buch festgehalten. Er stellt Finanzmärkte selbst wie auch komplizierte Wertpapiererfindungen dar und erläutert, wie sie funktionieren. Dass er das tut, ist keine Dreingabe für treue Leser, die dadurch Geld für ein Börsenlexikon sparen können. Vielmehr ist die möglichst konkrete und exakte Darstellung der ökonomischen Wirklichkeit ebenjener Wirtschaftsethik immanent, wie Koslowski sie versteht und betreibt.

          Ethik ist auch hier grundgelegt als methodische Reflexion hin auf die Unterscheidung zwischen Gutem und Schlechtem; der Verhaltensimperativ als moralische Verpflichtung soll sich bei Koslowski allerdings alleine aus der Natur der Sache ableiten lassen. „Die Ethik definiert die sachgerechten Normen gemeinsam mit den Einzelwissenschaften“, schreibt er und fügt hinzu: „Die Verpflichtung entsteht aus der Natur der Sache, aus dem Zweck und aus den Funktionsprinzipien des Handlungsbereiches, in dem wir tätig sind.“

          Wirtschaftsethik als Fortschreibung des Rechts

          Dabei orientiert Koslowski sich ausdrücklich am Begriff der Rechtsidee, wie ihn der Rechtsphilosoph Gustav Radbruch prägte. Gemeint ist damit die Idee, welche die ideale Norm für den in Frage stehenden Gegenstand vorgibt. Wirtschaftsethik ist demnach eine Fortschreibung des Rechts, das selbst zu allgemein bleiben muss, um jeden Einzelfall optimal entscheiden zu können: „Die persönliche Zumutung, innerhalb des rechtlich Zulässigen auch noch das Gute zu realisieren, ist das Wesen der Ethik, die damit über das Recht hinausgeht, jedoch wesentlich nur in dem Sinne eines zusätzlich Geforderten, nicht im Sinne eines Gegensatzes zum Recht.“

          Zu den Voraussetzungen, von denen die (Finanz-)Marktwirtschaft lebt, ohne sie selbst schaffen zu können, gehört in dieser Sicht nicht nur das Wirtschaftsrecht, sondern notwendig auch die Wirtschaftsethik. Unethisch verhält sich derjenige, der etwa den Kapitalmarkt am Kapitalmarktdasein hindert - nämlich an seiner Aufgabe, zu koordinieren, wie Millionen Menschen ihre Ersparnisse für eine bestimmte Zeit so aufbewahren können, dass dies Millionen anderen Menschen dient und das Vermögen aller Beteiligten am Ende zugenommen haben kann. Oder auch der, der einer Bank die Erfüllung ihrer Zweckbestimmung verunmöglicht, die ebenfalls darin liegt, individuelle Wünsche aufeinander abzustimmen, indem sie ermöglicht, gerade nicht benötigtes Geld zu sparen oder für gute Ideen benötigtes gegen Zinsen zu leihen.

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