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: Opferfiguren aller Art

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Das frühe Christentum brachte die Märtyrer hervor: Glaubenszeugen durch ihr Sterben. Der Tod, der andere verpflichtet oder verpflichten soll, ist aber eine weder auf das Christentum noch auf das Terrain der Religion beschränkte Vorstellung. Fast alle als Opfer dekretierten oder in Anspruch genommenen Todesfälle ...

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          Das frühe Christentum brachte die Märtyrer hervor: Glaubenszeugen durch ihr Sterben. Der Tod, der andere verpflichtet oder verpflichten soll, ist aber eine weder auf das Christentum noch auf das Terrain der Religion beschränkte Vorstellung. Fast alle als Opfer dekretierten oder in Anspruch genommenen Todesfälle können zu Beispielen von "Martyrien" werden, selbst wenn man darauf dringen möchte, zumindest jene nicht als Märtyrer durchgehen zu lassen, die beim Massakrieren anderer Menschen ihr Leben lassen. Gerade vom Phänomen der als Märtyrer inszenierten Selbstmordattentäter nimmt jedoch ein Sammelband seinen Ausgang, der Opferfiguren aller Art von der Antike bis zur Gegenwart behandelt. Er trägt den Titel "Märtyrer-Porträts", korrigiert ihn aber gleich durch den Hinweis auf Opfertod, Blutzeugen und heilige Krieger im Untertitel ins Allgemeine. Eine thematische Kontur ergibt das nicht, dafür ein weites Feld, auf dem neben den frühchristlichen und im engeren Sinn religiösen Blutzeugen viele andere Figuren untergebracht werden können: Lucretia, der Teufel, Emilia Galotti, Pasolini, Claire Démar, Marina Abramovic, Kafkas Hungerkünstler, Jan Palach oder Ignaz Semmelweis. Das ist nur eine kleine Auswahl aus insgesamt zweiundfünfzig "Porträts", die manchmal auch Orte, Ereignisse und Typen darstellen. Die Stücke sind kurz, drei bis vier Seiten, und werden ergänzt durch knapp gehaltene Literaturangaben. Erwartbares und Überraschendes liegen da oft nah beieinander, und Funde lassen sich machen, wie immer man auch blätternd den Lektüreparcours wählt. (Sigrid Weigel: "Märtyrer-Porträts". Von Opfertod, Blutzeugen und heiligen Kriegern. Wilhelm Fink Verlag, München 2007. 319 S., Abb., geb., 29,90 [Euro].) hmay

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