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Olaf B. Rader: Friedrich II. : Weltenherrscher, Hoffnung der Frauen

Die „Konstitutionen von Melfi“ kamen einer konkurrierenden Gesetzessammlung aus dem Vatikan zuvor. Die Lieder- und Sonettendichtung am Stauferhof diente der rhetorischen Schulung der Höflinge, und der Beamtenapparat presste den Sizilianern die Steuern ab, die der Kaiser zur Finanzierung seiner vielen Land- und Seekriegszüge brauchte. Auch der oft als Beispiel für Friedrichs Islamfreundlichkeit zitierte Friedensvertrag mit dem Ayyubidensultan al-Kamil, der Jerusalem unter christliche Kontrolle zurückbrachte, war pragmatischen Zwängen geschuldet, denn der Staufer stand unter Zeitdruck, nachdem ein päpstliches Heer in seine Erblande eingefallen war.

Kampf der Kirche gegen Friedrich II. stiefmütterlich behandelt

Rader ordnet seinen Gegenstand nicht chronologisch, sondern in Themenkapiteln. Das hat den Vorteil, dass die verschiedenen Aspekte dieses Herrscherlebens nicht in zersplitterten Notizen, sondern in kompakter Folge präsentiert und durch sachbezogene Exkurse ergänzt werden können, ein Verfahren, das sich besonders in den Abschnitten über Friedrichs Bau- und Münzpolitik, sein Falkenbuch und seine Flotte bewährt. Es hat zugleich den offensichtlichen Nachteil, dass die erzählerische Einheit von Raders Biographie in einzelne Gesichtspunkte zerfällt, von denen manche zu viel, andere zu wenig Gewicht erhalten. Die Vorgeschichte des normannischen Königreichs Sizilien etwa, das die Päpste seit der Belehnung Robert Guiskards durch Gregor VII. als kirchliches Lehen ansahen, kommt bei Rader zu kurz.

Dadurch entgeht seinen Lesern ein entscheidendes Motiv im Kampf der Kirche gegen Friedrich II., die in dessen Absetzung auf dem Lyoner Konzil von 1245 gipfelten. Der Papst sah sich als Territorialfürst in Mittelitalien von den Besitzungen der Staufer im Norden und Süden eingekreist, während sich der kaiserliche Anspruch auf Universalherrschaft gerade auf diese Nord-Süd-Verbindung stützte. Beider Interessen konnten nicht koexistieren. Bei Rader verbirgt sich dieses Strukturproblem hinter der Bemerkung, dass Friedrich mit manchen der Kleriker, die als Päpste seine erbitterten Feinde wurden, vor ihrer Wahl auf gutem Fuß gestanden hatte. Das ist die allzu saloppe Außenansicht eines Dramas, in dem das unterlegene staufische Haus ausgerottet wurde.

Ein guter Sizilianer, ein schlechter Vater

Der Untertitel des Buchs zielt auf ein Sizilianertum, das von jener Deutschrömerei, in deren Namen Ernst Kantorowicz einst den „feurigen Herrn des Anfangs“ beschwor, Welten entfernt liegt. Wo für Kantorowicz der mystische Körper des Reichs lag, sieht Rader nur eine Landkarte mit Bergen, Städten und Flüssen, in denen sich der künftige Souverän auf der Flucht vor den Lombarden nasse Hosen holt. Aber diese Abgeklärtheit hat ihren Preis. Im Konflikt Friedrichs mit seinem Sohn Heinrich, dem „Klammersiebten“ der Mittelalterhistoriker, erkennt Rader nicht den Kampf um die Reichseinheit, sondern nur die Kollision zweier Rechtsauffassungen, des südländischen rigor iustitiae und des germanischen Gnadenrituals. Sein Stauferherrscher ist ein schlechter Vater, weil er ein guter Sizilianer, nicht, weil er ein guter Kaiser sein will.

Trotz solcher Einwände ist diese Biographie ein Gewinn, nicht nur dank ihrer Kompaktheit, sondern auch wegen eines Tonwechsels, der in der Literatur über den Enkel Barbarossas längst überfällig war. Ein „cäsarisches Herrschaftsbild mit byzantinischem Akzent in normannischer Verwandlung“ diagnostiziert der nüchterne Dr. Rader am Ende bei seinem staufischen Patienten. Wie anders klang das noch bei Jacob Burckhardt, für den Friedrich „der erste moderne Mensch auf dem Throne“ war! Erst jetzt, ohne Pathos und Heilsversprechen, sehen wir diesen Kaiser in wahrhaft modernem Licht.

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