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Niklas Holzberg: „Aristophanes“. Sex und Spott und Politik : Da lachten die Athener im weiten Rund

  • -Aktualisiert am

Bild: C.H. Beck

Aber ein unpolitischer Spaß waren die Komödien deshalb nicht: Niklas Holzberg weiß die Werke von Aristophanes sachkundig vorzustellen, auch wenn er dabei einige Aspekte ausblendet

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          Tatsächlich, es gibt sie noch: die geduldig interpretierende Vorlesung über alle Werke eines antiken Autors. Niklas Holzberg hat sich nach mehreren römischen Dichtern nun Aristophanes vorgenommen, den einzigen Vertreter der sogenannten Alten Komödie, von dem vollständige Stücke überliefert sind, elf an der Zahl: „Acharner“, „Ritter“, „Wespen“, „Frieden“, „Wolken“, „Vögel“, „Lysistrata“, „Frauen beim Thesmophorienfest“, „Frösche“, „Frauenvolksversammlung“ und „Plutos“.

          Die Konkurrenz bei den Komödienwettbewerben war hart; in den etwa vierzig Jahren seines Schaffens errang Aristophanes nur fünf, vielleicht sechs erste Plätze. Eine stadtbekannte Person wurde der junge Dichter während der ersten Phase des Peloponnesischen Krieges gleichwohl sehr rasch. Man darf sich den Kreis der Athener, über die gesprochen wurde und die sich auf der Agora, im Theater und in den Säulenhallen auch oft begegneten, nicht allzu groß vorstellen. Und Aristophanes war nicht der einzige Komödiendichter, der zeitgenössische Prominente wie Sokrates, Kleon oder den Feldherrn Lamachos als Karikaturen auf die Bühne brachte, verstorbene Größen aus der Unterwelt herbeizitierte oder Typen von Athenern wie die Holzkohlenbrenner aus Acharnai auftreten ließ.

          Besonders Kleon setzte sich zur Wehr, wie später Franz Josef Strauß, ohne seinen Dieter Hildebrandt zum Schweigen bringen zu können. Ein reines Wunder, so bemerkte Jacob Burckhardt, was sich die Athener in Zeiten von äußerstem Stress bieten ließen, „während die Französische Revolution jedem den Kopf vor die Füße gelegt haben würde, der im Geringsten an ihrem Pathos gezweifelt oder gar es grotesk verbildlicht hätte“. Gar kein Wunder, so will uns Holzberg nun belehren. Doch der Reihe nach.

          Tragödien haben es ihm angetan

          Soweit es in einem Buch dieses Formats möglich ist, führt der Münchener Klassische Philologe in die Stücke ein, erläutert Aufbau, wiederkehrende Elemente und Variationen, referiert den Gang der Handlung und deckt Anspielungen auf, die nur das athenische Publikum unmittelbar verstehen konnte. Besonders die Verweise auf die Tragödien zumal des Euripides haben es ihm angetan. Die zahlreich eingestreuten Übersetzungsproben können die aristophanische Lust an Sprachschöpfungen und am Spiel mit verschiedenen Stilebenen selbstverständlich nicht adäquat abbilden, doch Holzberg nimmt sich Zeit, wenigstens hier und da auch dem des Altgriechischen unkundigen Leser einen Einblick in das Handwerk des Gräzisten zu geben.

          Im Hörsaal ist es inzwischen oft auch nicht anders, wenn Vorlesungen auch für „Studierende ohne Griechischkenntnisse“ angeboten werden müssen. Leichter als vor einigen Jahrzehnten hat es der Autor ferner, den deftigen sexuellen An- und Kraftreden unverkrampft ihren angemessenen Rang zu geben. In Summa: Wer im Detail nachvollziehen möchte, wie die Komödien des Aristophanes als Lachsäcke, Kunstwerke und Metatexte funktionieren, findet hier eine sachkundige Hinführung.

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