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Buch über DDR-Millionär Kath : Wie die Stasi anfing, mit Antiquitäten zu handeln

Im Westen arbeitslos

Auch in Ost-Berlin war man inzwischen auf den umtriebigen „Manager“ aufmerksam geworden; bald vertickte der Staatliche Kunsthandel gegen Devisen sowie eine gute Provision für Kath die Ware im Westen. Und weil die Geschäfte prächtig liefen, rief das binnen kürzester Zeit das Ministerium für Außenwirtschaft mit Schalck-Golodkowskis Abteilung „Kommerzielle Koordinierung“ (KoKo) auf den Plan, die Kath ein verführerisches Angebot machte: Im Gegensatz zum Staatlichen Kunsthandel, der dem Kulturministerium unterstand und immer erst zahlte, wenn die Ware im Westen verkauft war, bot die KoKo ihm Vorkasse sowie eine steuerfreie Umsatzprovision an. Kath kehrte aus Berlin mit einer Tasche voller Bargeld für Ankäufe zurück und stürzte sich in die Arbeit.

Für das Jahr 1972 hatte ihm die KoKo 800.000 Mark zur Verfügung gestellt, für 1973 sogar drei Millionen. Kath heuerte für jeden DDR-Bezirk Einkäufer an, mietete Lager und gründete in Pirna eine eigene Exportabteilung. Die Quellen schienen unerschöpflich, er kaufte Standuhren, Porzellanpuppen und sogar Kutschen an; bereitwillig „befreiten“ sich die Leute von all diesen „Staubfängern“, die im Westen reißenden Absatz fanden. Schon bald fuhr Kath mit einem Audi 100 durchs Land, seine Frau mit einem knallroten Fiat Sport, was selbstredend nicht unbemerkt blieb. Als sich das Paar eine alte Mühle im Osterzgebirge ausbaute und mit ihren Beziehungen auch an Material und sogar Handwerker gelangte, wuchs der Neid vor allem in und um Pirna.

Kath bemerkte das zwar, doch war er völlig ahnungslos, was sich in Berlin gegen ihn zusammenbraute. Bisher hatten die KoKo-Leute stets ihre schützende Hand über ihren Goldesel gehalten, doch im Frühjahr 1974 ließen sie ihn abrupt fallen: Kath wurde verhaftet, angeblich wegen „Betrugs am sozialistischen Eigentum“, und nach anderthalb Jahren Untersuchungshaft ohne Urteil, aber unter Verzicht auf sein gesamtes Vermögen in die Bundesrepublik abgeschoben. Den Deal hatte, wie oft in solchen Fällen, Rechtsanwalt Wolfgang Vogel eingefädelt. Kath, in der DDR eben noch Millionär mit Firma, Anwesen und Autos, saß nun allein im Westen und lebte von Arbeitslosenhilfe.

Mit vierzig am Ende

Nehring rekonstruiert aus Akten und Gesprächen, insbesondere mit Kaths Frau Annelies, detailliert die Intrige, die mit der Abschiebung nicht vorbei war. Denn bereits wenige Monate danach war Kath wieder in Ost-Berlin, bekam von den gleichen Leuten, die ihn fallengelassen hatten, eine Anschubfinanzierung für einen Neustart als exklusiver Antiquitäten-Partner der DDR im Westen. Dass Kath überhaupt darauf einging, wunderte nach der Wiedervereinigung nicht nur den Untersuchungsausschuss des Bundestages. Aus den hochfliegenden Plänen wurde nichts, Kath konnte im Westen nie wieder an seinen Erfolg anknüpfen; er war mit Anfang vierzig ein gebrochener Mann.

Für die Stasi jedoch war der Fall die Blaupause für Devisenbeschaffung durch Antiquitäten, mit denen sie fortan selbst handelte. Nach Kath überzog die DDR rund hundertfünfzig weitere Antiquitätenhändler und Sammler mit Unterschlagungs- und Steuerstrafverfahren, um sie zu enteignen und ihren Besitz dann gegen harte Währung zu verkaufen.

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