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Neues Buch „Der NSA Komplex“ : So kann es nicht weitergehen

  • -Aktualisiert am

Die Wahrnehmung des NSA-Skandals verläuft zyklisch - zwischen massiver Erregung und Latenzphasen. Bild: dpa

Was kommt noch heraus? Holger Starks und Marcel Rosenbachs Buch „Der NSA Komplex“ enthüllt die ganze Dimension des Skandals.

          Im April vergangenen Jahres war der Generalsekretär der Vereinten Nationen zu Gast im Weißen Haus. Ban Ki Moon gilt ja als ein moderater bis langweiliger Chefdiplomat, von dem bislang wenig im Gedächtnis geblieben ist. Auf der Tagesordnung stand eine allgemeine Tour d’Horizon der Fragen, die damals täglich in der Zeitung standen, vom Krieg in Syrien bis zum Klimawandel, der ganze Termin atmete den Geist harmloser Routine. Für Barack Obama muss die Begegnung dennoch bemerkenswert gewesen sein, bemerkenswert langweilig. Denn seine Dienste hatten ihm, wie sie später in einer hochgeheimen, internen Auswertung jubilierten, den Sprechzettel des Generalsekretärs schon vorab besorgt.

          Der NSA war es gelungen, auch die geheimsten Kommunikationswege der Vereinten Nationen zu entschlüsseln. Der Spion, der diesen Vollzug in einem Bericht meldete, fügte auch die modische Gefühlsbezeugung „Yay!“ ein, als gelte, es, Punkte zu machen in einem globalen Brettspiel. Während der Arbeit an der Ausforschung der Vereinten Nationen bemerkten die NSA-Teams allerdings auch die Präsenz des chinesischen Geheimdienstes. Die Kollegen versuchten ebenfalls, die verschlüsselten Kommunikationswege der Vereinten Nationen auszuspionieren, und das kam der NSA ganz gelegen. Sie zapften einfach die chinesischen Agenten an, so bekamen sie alle gewünschten Daten und noch einige mehr.

          Die Erkenntnisse, die Edward Snowden während seiner Tätigkeit für eine Zuarbeiterfirma der NSA gewonnen hat, halten uns seit über einem Jahr in Atem. Doch das Verfahren der portionsweisen Veröffentlichung über den „Guardian“, die ihr Echo dann in fast allen anderen Medien der Welt fand, führt zu einer serialisierten Wahrnehmung mit kurzen dramatischen Spitzen der Erregung, denen dann wieder Latenzphasen folgten. In diese fielen dann mehr oder weniger symbolische Beschwichtigungsversuche der politisch Handelnden, bis zur nächsten Enthüllung.

          Heldenhafter Verrat

          Darum ist dieses Buch so wichtig: Die Lektüre der Erkenntnisse im geballten Zusammenhang überwindet die alltägliche Abwehr, mit der wir die Nachrichten filtern, und eröffnet dem Leser unabweisbar die ganze Dimension des widerrechtlichen und fortschreitenden Machtmissbrauchs durch amerikanische Institutionen. Und weil die Programme immer in Anwendungen und Fallgeschichten dargestellt werden – zum Teil handelt es sich ja um stolze Darstellungen der Leistungskraft der NSA für den internen Gebrauch –, liest sich das Buch wie der Roman zum Kriminalfall des Jahrhunderts.

          Edward Snowden war, dies machen die Autoren deutlich, kein x-beliebiger oder gar wegen mangelnder Karrierechancen frustrierter kleiner Angestellter, sondern wurde vielmehr früh aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten bemerkt und gefördert. Kollegen beschreiben ihn als besonders begabten Mitarbeiter, der in jedem Team als der Beste galt. Er erfasste daher, statt sich an der Bewältigung einzelner Operationen zu erfreuen, nach und nach das gesamte Ausmaß der Programme und kam zu einem unabweisbaren rechtlichen und moralischen Urteil.

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