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: Neue Reisebücher

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Für den Tisch Als die antiken Menschen müde wurden, sich selbst zu erkennen, suchten sie Heil im Spirituellen. Christliche Wüstenväter hofften, in der Einsamkeit eine göttliche Wahrheit zu vernehmen. Benedikt von Nursia gab den Mönchen vor, an einem festen Ort zu leben, nach bestimmtem Rhythmus zu beten und zu arbeiten.

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          Für den Tisch Als die antiken Menschen müde wurden, sich selbst zu erkennen, suchten sie Heil im Spirituellen. Christliche Wüstenväter hofften, in der Einsamkeit eine göttliche Wahrheit zu vernehmen. Benedikt von Nursia gab den Mönchen vor, an einem festen Ort zu leben, nach bestimmtem Rhythmus zu beten und zu arbeiten. Es galt, Maß zu halten, schweigsam zu sein, um Gott zu spüren. Die Klöster wurden jedoch ein Opfer des eigenen Erfolgs, denn die Disziplin machte die Abteien reich. Die Mönche förderten den Glanz der Baukunst ebenso wie die Veredelung von Speisen und Getränken. Große Leistungen entstanden oft an der Schwelle zum Sündhaften.

          Heute wirkt die säkularisierte Zivilisation auf nicht wenige Zeitgenossen ebenfalls ermattend. Auch die postmoderne Gesellschaft setzt auf die Entlastung im Spirituellen. Mittlerweile geben sich auch heimische Ordensleute aufgeschlossen und pochen gegenüber den Gästen nicht auf Dogmen. Die "Bibliothek der Mönche", die Peter Seewald herausgibt, stellt Leben und Tradition der Klöster vor und nennt solche, die hierzulande Besucher auf Zeit empfangen. Jüngst sind zwei neue Bände der Reihe erschienen: Simone Kosog beleuchtet die Ruhe der Mönche, Gabriela Herpell die Küche der Mönche.

          Die Autorinnen wollen nicht in den Verdacht verstaubter Frömmigkeit geraten. Sie wissen ein Lied davon zu singen, wieviel Streß das aktuelle Leben bedeutet und wie schlecht sich viele Menschen ernähren. Der Teufel erscheint für sie in Form von hohem Blutdruck oder Cholesterin, das es zu bekämpfen gilt. Nicht die wahre Geschichte der Klöster interessiert sie, sondern das Ideal der Gründer und Reformer. Nicht das prachtvolle Cluny wird gepriesen, sondern das karge Clairvaux. Äbte und Stiftsherren des Ancien régime, die für Brillat-Savarin vorbildliche Feinschmecker waren, kommen nicht vor.

          Kosog trägt Etappen aus der Geschichte des Ordenslebens ansprechend vor. Doch gegenüber dem Rokoko der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld etwa bleibt sie stumm. Die aristokratische Grandeur von Klostergebäuden, die den Menschen erhebt, bemerkt sie nur selten. Wo sie beschreiben müßte, redet sie begrifflich über die Ruhe, beschwört sie immer wieder, zitiert zahllose Autoritäten. Sobald sie sich einmal auf eigene Beobachtungen verläßt, folgt man ihr gern: "So ruhig und klar stehen die Klosterbauten da, eine geschlossene Einheit aus mächtigen Gebäuden mit roten Spitzdächern." Auch Gabriela Herpell kann überzeugen, wenn sie nicht nur an Gesundheit und Diät denkt, sondern gelegentlich auch an die Aromen, die die Seele erheitern. Wenn sie aber über das Bierbrauen im Frauenkloster Mallersdorf spricht, ist es ihr wichtig, daß der Gerstensaft die Harnausscheidung anregt und den männlichen Trieb mindert. Du lieber Gott! Etwas mehr Cluny, etwas weniger Clairvaux: das hätte den beiden Büchern gutgetan.

          ERWIN SEITZ

          Simone Kosog: Die Ruhe der Mönche. 208 Seiten, 12 Euro.

          Gabriela Herpell: Die Küche der Mönche. 224 Seiten, 12 Euro.

          Beide Bände hat Peter Seewald im Wilhelm Heyne Verlag herausgegeben.

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