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Neuerscheinungen zu Ostern : Abschied von der Sünderkirche

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Die Verwirrung, die Papst Franziskus mit widersprüchlichen Aussagen stiftet, ist ein bewusst eingesetztes Mittel – behaupten seine Kritiker. Bild: dpa

Kann ein Papst den Katholizismus für immer verändern? Drei Neuerscheinungen melden pünktlich zu Ostern Zweifel am Amtsverständnis von Franziskus an. Nur eine überzeugt mit ihren Argumenten.

          Der amerikanische Journalist Ross Douthat ist überzeugt davon, dass mit der politischen Rechten Amerikas etwas Grundsätzliches nicht stimmt. 1979 geboren, ist er der jüngste Kolumnist, den die „New York Times“ je auf ihre Op-Ed-Seite berief. Mit dem Buch „To Change the Church“ nimmt er sich nun mit analytischer Schärfe, Detailgenauigkeit und argumentativem Schwung die „größte religiöse Story unserer Zeit“ vor: Er glaubt, dass der Katholizismus mit diesem Papst an einem Wendepunkt angelangt sei.

          Zunächst schien sich alles nur um die Ambiguität einer päpstlichen Fußnote zu drehen, die in Ausnahmefällen den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene erlaubt. Der Eindruck, dass die Kirche mit der Unauflöslichkeit der Ehe die Latte zu hoch legt, ist nichts Neues. Bereits die Jünger warnten Jesus, dass unter den von ihm vorgeschlagenen Bedingungen keiner mehr heiraten wolle. Auf die Frage der Pharisäer, ob Scheidung erlaubt sei, antwortete Jesus, das mosaische Gesetz sei ein Zugeständnis an ihre Herzenshärte, und forderte stattdessen eine radikale, transzendente Perspektive: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Aufgrund einer Ausnahme „wegen Untreue“ im Matthäus-Evangelium war Scheidung zwar möglich, doch Wiederheirat galt konträr zur Weisung Jesu.

          Während andere Kirchen Ausnahmen machten, aus denen später Regeln wurden, schien die Entschlossenheit, am neutestamentlichen Ideal festzuhalten, zum Alleinstellungsmerkmal der katholischen Kirche zu werden. Für viele machte genau diese obstinate Insistenz ihren Autoritätsanspruch plausibel.

          Konkurrierende Narrative des Katholizismus

          Die Idee, dass Mann und Frau in der Ehe so unauflöslich und komplementär zusammengehören wie im Epheserbrief Christus und seine Braut, die Kirche, prägte das Selbstverständnis einer Glaubensgemeinschaft, für die das Zerstören von Einheit, sei es durch Scheidung oder durch Schisma, mit dem Sakrament der Einheit, der Eucharistie, nicht kompatibel war.

          Ross Douthat: „To Change the Curch“. Pope Francis and the Future of Catholicism. Simon & Schuster, New York 2018. 256 S., geb., ca. 18.– €.

          Vor diesem Hintergrund beschreibt Douthat zwei konkurrierende Narrative im Katholizismus. Eines erklärt, warum auch für die katholische Kirche nun der Moment gekommen sei, sich auf eine radikal veränderte gesellschaftliche Wirklichkeit einzulassen und ihre Regeln anzupassen. Das andere erkennt in der menschlichen Kondition der Gegenwart nichts wesentlich Neues und sieht katholische Identität durch Veränderung gefährdet. Douthat bietet genug Sympathie und Detailkenntnis, um seine Darstellungen für Vertreter beider Seiten erträglich zu machen. Stereotype sind hier nur die Etiketten: „liberal“ und „konservativ“.

          Die Spannung zwischen moralischem Anspruch und Lebensstil nicht nur auszuhalten, sondern fruchtbar zu machen, hält Douthat für ein Kernstück des „katholischen Erlebens“, von Dante bis Graham Greene. Ist es wirklich Zeit, von dieser Sünderkirche Abschied zu nehmen? Papst Franziskus wirkt überzeugt, dass zu strenge Regeln die Menschen vom Glauben fernhalten. „Schlechte Hirten“ seien solche, die „eine unerträgliche Bürde auf die Schultern der anderen legen“. Konservative hingegen erklären leere Kirchenbänke mit der Banalisierung der Liturgie und der Verdünnung der vermittelten Lehre. Bei so viel Wasser und so wenig Wein könne keine Stimmung aufkommen.

          Douthat hält für problematisch, dass die Überzeugung, dass es Umstände gibt, unter denen Jesu Weisung dem Menschen nicht abverlangt werden könne, auf einem pessimistischen Menschenbild und einer noch pessimistischeren Gottesvorstellung beruhe. Zudem sei in den Evangelien Barmherzigkeit und Vergebung immer mit Reue und Umkehr verbunden. Unter den Aussagen Jesu gebe es kein Äquivalent für „Geh in Frieden, denn deine Situation ist komplex“; immer gelte: „Geh, und sündige nicht wieder.“ 2015 bestätigte Erzbischof Fernández, Protegé und Ghostwriter des Papstes, das Ziel von Franziskus sei „eine Reform, die irreversibel ist“. Dass die Fußnote lange Beine haben würde, hatte sich mittlerweile bereits in Kanada bestätigt, wo sich die Bischöfe aufgrund der neuen Ambiguität nicht einigen konnten, ob nicht auch die Tötung auf Verlangen mit dem Kommunionempfang zu verbinden sei.

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