https://www.faz.net/-gr3-wih7

: Nach dem Riesling

  • Aktualisiert am

Nur 15 Minuten von Ludwigshafen entfernt wachsen die großen Rotweinsorten der Welt. Cabernet Sauvignon und Merlot gedeihen prächtig, auch der südfranzösische Syrah und der von der Loire stammende Cabernet Franc. Winzer in der Umgebung lassen spanischen Tempranillo und die toskanischen Sorten Nebbiolo und ...

          16 Min.

          Nur 15 Minuten von Ludwigshafen entfernt wachsen die großen Rotweinsorten der Welt. Cabernet Sauvignon und Merlot gedeihen prächtig, auch der südfranzösische Syrah und der von der Loire stammende Cabernet Franc. Winzer in der Umgebung lassen spanischen Tempranillo und die toskanischen Sorten Nebbiolo und Sangiovese aus eigenem Anbau kosten.

          1980 waren lediglich elf Prozent der Pfälzer Rebfläche mit Rotwein bestockt, 2006 lag der Anteil schon bei 40 Prozent. Das Klima wandelt die Pfalz zum mediterranen Weinland. "Die Jahresdurchschnittstemperatur ist in Neustadt in den vergangenen zehn Jahren von 10,1 auf 11,2 Grad gestiegen", berichtet der Ellerstädter Winzer Markus Schneider. Das klingt nach wenig, hat aber gewaltigen Einfluss auf Wein und Winzer. "Vor 25 Jahren wären die französischen Sorten hier nicht ansatzweise ausgereift", hebt er hervor, "heute haben wir damit definitiv keine Probleme mehr." Vor allem die warmen, trockenen Herbsttage lassen seit einigen Jahren auch jene späten Sorten gedeihen, die Weinfreunde bislang nur aus dem heißen Südfrankreich, dem dauermilden Bordeaux oder aus Übersee kannten.

          Die Zeiten ändern sich wie das Wetter. Junge Winzer wie Markus Schneider, von dem in dieser Zeitung im Spätsommer schon einmal die Rede war, bringen neue Weinstile in die alte Pfalz. 1994 gründete er sein Weingut und produzierte zunächst Riesling, doch er hatte den Ehrgeiz, hochwertigen Rotwein zu machen. Er entschied sich, ohne jede Erfahrung die international renommierten, französischen Sorten anzubauen - und für den Cuvée, also die Komposition verschiedener Grundweine zu einem eigenständigen Wein.

          Das Konzept hatte er sich von erfolgreichen österreichischen Winzerkollegen abgeschaut: "Was im Burgenland funktioniert, muss hier auch gehen", dachte er. Schon Ende der achtziger Jahre hatten ambitionierte Winzer wie Werner Knipser aus Laumersheim gespürt, dass die Pfalz langsam wärmer wurde - und heimlich Cabernet Sauvignon angebaut. Schließlich waren die Sorten offiziell nicht zugelassen. Es folgten überdurchschnittlich gute Jahre, der Cabernet wurde reif, rund und gut. Knipser wurde so zum Vorbild vieler Winzer, die sich ebenfalls Cabernet-Stöcke in Frankreich besorgten; die Rebzüchter der Region führten noch keine. Heute haben Werner Knipsers Rotweine einen international hervorragenden Ruf; er bewirtschaftet acht Hektar Bordeaux-Reben und Syrah.

          Auch Markus Schneider hat großen Erfolg mit seinen intensiv-dichten, fruchtbetonten Rotwein-Cuvées, die er "Tur Tur" oder "Steinsatz" nennt. Sein kraftvoller, würziger "Black Print" verbindet die in Österreich populäre Sorte Saint Laurent mit Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah. Doch Schneider räumt ein: "Ohne den Riesling könnten wir wirtschaftlich noch nicht überleben."

          Weitere Themen

          2,9 Millionen für Mona-Lisa-Kopie Video-Seite öffnen

          Bei Auktion : 2,9 Millionen für Mona-Lisa-Kopie

          Auf einer Versteigerung wurden 2,9 Millionen Euro für eine Kopie des Meisterwerks von Leonardo da Vinci gezahlt. Nach Angaben des Auktionshauses Christie's handelt es sich dabei um einen Rekordpreis für eine derartige Replik.

          Topmeldungen

          CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder

          Wahlprogramm der Union : CDU und CSU versprechen Entlastungen

          Die Unionsparteien wollen laut einem Entwurf ihres Wahlprogramms den Solidaritätszuschlag vollständig abschaffen und die Steuerstufen bei der Einkommenssteuer verschieben. Die Verdienstgrenze bei Minijobs soll um 100 Euro erhöht werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.