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N. Oreskes & E. Conway: Merchants of Doubt : Am falschen Ideal des Wissens lässt sich leicht rütteln

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Naomi Oreskes und Erik M. Conway: Merchants of Doubt Bild:

Unter ernstzunehmenden Klimawissenschaftlern ist der Wandel bewiesen, trotzdem versuchen Leugner sich zu etablieren. Naomi Oreskes und Erik Conway machen die Praktiken in einem hervorragend dokumentierten und fesselnd geschriebenen Buch deutlich.

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          Fred Seitz, Fred Singer und Bill Nierenberg waren ein bemerkenswertes Trio von Wissenschaftlern. Ob es um die Risiken des Rauchens und Passivrauchens, das Ozonloch, den sauren Regen oder um den von Menschen verursachten Klimawandel geht, in den vergangenen vierzig Jahren standen diese drei einflussreichen Physiker immer wortmächtig auf der Seite der Industrie, wenn es darum ging, staatliche Regulierungen der Wirtschaft zu verhindern. Ihre Aktivitäten zeitigten nicht immer die erwünschte Wirkung, aber in der Frage des Klimawandels waren sie vielleicht erfolgreich: Die im vergangenen Jahr gestohlenen E-Mails der Klimawissenschaftler wurden zu einem inszenierten Skandal, dem „Climategate“, aufgeschaukelt, während die offensichtlich von wirtschaftlichen Interessen getragenen Aktivitäten vieler Klima-Skeptiker verpufften.

          Naomi Oreskes und Erik Conway sind in ihrem hervorragend dokumentierten und fesselnd geschriebenen Buch erfrischend deutlich: Die Macht der Belege für den Klimawandel ist dermaßen überwältigend, dass unter ernstzunehmenden Klimawissenschaftlern keine Debatte mehr geführt wird, sondern ein außergewöhnlicher Konsens herrscht. Skandale und Diskussionen werden von den Leugnern des Klimawandels künstlich inszeniert, wobei fast alle Mittel recht sind. Die meist großzügig finanzierten Leugner manipulieren, drohen und schüchtern ein. Die historische Perspektive auf diese Strategien verleiht dem Buch eine besondere Eindringlichkeit.

          Klimalobby harmlos im Vergleich zur Tabakbranche

          Vergleichsweise harmlos erscheint noch der Versuch der Tabakindustrie, die öffentliche und wissenschaftliche Meinung zu manipulieren. Sie schuf ein Netz von Instituten und Zeitschriften, die ein Simulakrum von Wissenschaftlichkeit darstellten. So sollte etwa das „Center for Indoor Air Research“ die Aufmerksamkeit auf andere Ursachen für Lungenerkrankungen als Tabak lenken und von der Industrie finanzierte Zeitschriften veröffentlichten bevorzugt Ergebnisse, die die Gefahren des Rauchens relativierten.

          Der Ton und die Praxis sind zwischenzeitlich aber rauher geworden. Unterstützt von konservativen Stiftungen, die wiederum Gelder von der Tabak- oder Energieindustrie erhalten, und mit publizistischer Schützenhilfe von PR-Agenturen und Zeitungen wie dem „Wall Street Journal“ werden Diffamierungen und Fehlinformationen im öffentlichen Diskurs plaziert. Wenn wissenschaftliche Befunde sich nicht wirkungsvoll in Zweifel ziehen lassen, werden Wissenschaftler auch persönlich angegriffen.

          Gesundheits- und Umweltschutz nur als Vorwand

          Was trieb aber begabte Wissenschaftler wie Seitz, Singer und Nierenberg dazu, sich solchen Kampagnen anzuschließen? Oreskes und Conway sehen die Ursache in der Prägung dieser Wissenschaftler im Kalten Krieg. Sie verstanden sich als Kämpfer gegen Sozialismus und Kommunismus und ab den später sechziger Jahren als immer einsamer werdende Fürsprecher der individuellen Freiheiten, die sie in den Vereinigten Staaten und im Westen vor allem von der Umweltbewegung bedroht sahen. Gesundheits- und Umweltschutz sind für sie nur ein Vorwand den der Staat nutzt, die Freiheit der Bürger immer mehr einzuschränken.

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