https://www.faz.net/-gr3-86ftt

Mythos entscheidende Bombe: Was stand im Pazifik auf dem Spiel?

Zurück zum Artikel

Das Zeitalter des
atomaren Schreckens

Atombomben

Am 6. August 1945 flog um 8.15 Uhr (Ortszeit) ein amerikanischer B29-Bomber direkt über der japanischen Stadt Hiroshima und warf aus einer Höhe von 9450 Metern die erste Atombombe ab. Am 9. August ereilte das gleiche Schicksal Nagasaki. An den beiden Tagen starben schätzungsweise 200.000 Menschen. Die Hitze und die Druckwelle, die die Explosion auslöste, war so groß, dass ganze Stadtteile schmolzen und hinweggefegt wurden. Viele der Opfer starben noch Jahrzehnte später an den Folgen der Verstrahlung. Und noch heute leiden viele Nachkommen der Opfer unter den Spätfolgen.

Die Hiroshima-Bombe

dpa Picture-Alliance

Die Hiroshima-Bombe „Little Boy“
Länge: 3 Meter
Durchmesser: 0,7 Meter
Gewicht: 4 Tonnen
Sprengkraft: 13.500 Tonnen TNT
Sprengstoff: 64 Kilogramm Uran, davon 80 % Uran-235

Das Prinzip der Uran-Bombe

B. Helfert

Das Prinzip von „Little Boy“: Für die Uran-Bombe „Little Boy“ wurde die Kanonenanordnung verwendet. Man benötigte zwei getrennte unterkritische Massen an Uran-235 (1 und 2), die zusammen eine kritische Masse gebildet haben. Beide Uran-Proben wurden in einem Rohr mittels einer chemischen Reaktion (3) aufeinander geschossen. Weil das Verfahren recht einfach ist, wurde kein Test durchgeführt.

Das zerstörte Hiroshima

dpa

Hiroshima am 6. August 1945 : Die Bombe „Little Boy“ explodierte in 600 Metern Höhe über der Stadt. Mit einer Sprengkraft von rund 13,5 Kilotonnen TNT wurden unmittelbar bis zu 140.000 Menschen getötet und 80 Prozent der Stadt zerstört.

Die Nagasaki-Bombe

picture-alliance / United Archiv

Die Nagasaki-Bombe „Fat Man“
Länge: 3,7 Meter
Durchmesser: 1,5 Meter
Gewicht: 4,7 Tonnen
Sprengkraft: 22.000 Tonnen TNT
Sprengstoff: 6,2 Kilogramm angereichertes Plutonium-239

Das Prinzip der Plutonium-Bombe

B. Helfert

Prinzip von „Fat Man“: Für die Plutonium-Bombe verwendete man das Implosionsverfahren: Eine unterkritische Masse an Plutonium-239 wird mit einem Mantel aus hochexplosivem Zündstoff umgeben. Bei dessen Explosion entsteht eine Schockwelle nach innen, die den Druck und damit die Dichte des Spaltmaterials so weit erhöht, dass die Masse kritisch wird. Ein Test des Verfahrens - die erste Explosion einer Atombombe - fand am 16. Juli 1945 in der Wüste von New Mexico statt. Die zweite Plutonium-Bombe, „Fat Man“, wurde am 9. August 1945 über Nagasaki gezündet.

Die Zerstörung von Nagasaki

dpa

Nagasaki am 9. August 1945: Die Bombe „Fat-Man“ detonierte in etwa 500 Metern Höhe direkt über der Mitsubishi-Waffenfabrik, am Rand zu unbesiedeltem Gebiet. Die Ausbreitung der Schockwelle wurde durch Hügel in der Nähe des Abwurfpunktes gebremst, so dass die Auswirkungen der Explosion gedämpft wurden. Dennoch starben mindestens 70.000 Menschen bei der Explosion.

Der Verlauf einer Atombombenexplosion

B. Helfert

Bei der Explosion einer Atombombe entsteht ein greller Lichtblitz und extreme Hitze, und es wird eine starke Druckwelle ausgelöst. Außerdem wird eine enorme Menge an radioaktiver Strahlung erzeugt. Blickt man in den Lichtblitz, erblindet man sofort. Durch die Hitze verbrennt alles im Umkreis der Explosion, die Druckwelle reißt die stärksten Mauern ein. Am schlimmsten ist aber die freigesetzte radioaktive Strahlung. Sie erzeugt starke Verbrennung und Krebs.

Direkter Schaden

dpa Picture-Alliance

Von der freigesetzten Energie wurden etwa 60 % in der Schockwelle, 35 % als Wärmestrahlung und 5 % als ionisierende Strahlung abgegeben. Durch die große Explosionshöhe gab es über Japan kaum radioaktiven Fallout der Explosion. Die dieses Inferno überlebt hatten, starben oder erkrankten schwer durch die freigesetzte radioaktive Strahlung. Viele der Opfer starben noch Jahrzehnte später an den Folgen der Verstrahlung.

Spätfolgen

dpa

Die Überlebenden in Hiroshima und Nagasaki hatten ein deutlich höheres Risiko an Leukämie und anderen Krebsarten zu erkranken, ebenso Personen, deren Mütter die Explosionen während der Schwangerschaft erlebt hatten. Auswirkungen auf spätere Kinder und Enkel konnten indes keine nachgewiesen werden.

Die Atommächte

dpa

Derzeit verfügen neun Länder über Atomwaffen: die Vereinigten Staaten, Russland, China, Großbritannien und Frankreich sowie Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea. Weltweit existieren rund 16.000 nukleare Sprengköpfe. Mit Verträgen versuchen die Vereinten Nationen zu verhindern, dass noch mehr Länder in den Besitz von Atomwaffen kommen.

Redaktion: M. Lindinger; F.A.Z.-Multimedia: C. Feig, B. Helfert; Fotos: Picture Alliance
  • Aktualisiert am