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Künstliche Intelligenz : Wie kommt die Maschine zur Welt?

  • -Aktualisiert am

Dann mal viel Glück beim Nachbauen: Fluoreszenzmikroskopische Aufnahme von Nervenzellen in einer menschlichen Hirnrinde, die Zellkerne sind blau eingefärbt. Bild: Science Photo Library

Auf welchen Pfaden könnte eine Künstliche Intelligenz Wirklichkeit werden, die ihren Schöpfer abhängt? Murray Shanahan, der zu kognitiver Robotik forscht, gibt Antworten.

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          Als technologische Singularität bezeichnet Murray Shanahan, Professor für Kognitive Robotik am Imperial College in London, den Zeitpunkt, an dem „ein exponentieller Fortschritt in der Technologie derart dramatische Veränderungen herbeiführen würde, dass die menschliche Existenz, wie wir sie heute verstehen, an ein Ende käme“. Was wäre also, wenn wir eine allgemeine Künstliche Intelligenz (KI) erschaffen würden, die sich dann selbst – und immer rascher – verbessern könnte?

          Der Gedanke, dass wir an einen Punkt gelangen könnten, ab dem sich der technologische Fortschritt ohne menschliches Zutun vollzieht und dabei zunehmend beschleunigt, ist nicht neu. Nick Bostrom etwa, Philosoph am Future of Humanity Institute in Oxford, stellte die Möglichkeit eines solchen Kontrollverlusts ins Zentrum seines 2014 erschienenen Bestsellers „Superintelligence“. Shanahan versteht sein Buch, etwas bescheidener, als Einführung in das Thema. Er möchte die technischen Herausforderungen auf dem Weg zur Realisierung der technologischen Singularität aufzeigen und die philosophischen Fragen sondieren, die diese Möglichkeit aufwirft.

          Die Zusammenhänge der Welt durchschauen

          In einigen Bereichen sind Computerprogramme Menschen längst überlegen. Doch in der Regel sind es hoch spezialisierte Programme, die uns in eng umgrenzten Kontexten bezwingen: Sie rechnen effizienter, finden zuverlässiger den Weg durch den Feierabendverkehr, setzen uns schachmatt. Der Mensch dagegen ist, wie Shanahan schreibt, „ein Generalist, ein Alleskönner“, „anpassungs- und lernfähig“. Um als Akteur grundlegend in die Welt einzugreifen und sich selbständig zu verbessern, müsste eine Maschine ähnlich vielseitig begabt sein.

          Murray Shanahan: „Die technologische Singularität“.
          Murray Shanahan: „Die technologische Singularität“. : Bild: Matthes & Seitz Verlag

          Shanahan konzentriert sich daher auf die Entwicklung einer allgemeinen KI, und er sieht dabei zwei zentrale Herausforderungen. Zum einen müsste eine solche Maschine die Zusammenhänge der Welt durchschauen, also über eine Art „Common Sense“ verfügen. Zum anderen müsste sie in der Lage sein, Probleme zu überwinden, indem sie eigenständig neuartige Lösungen entwickelt, also „Kreativität“ besitzen.

          Keine konkreten Prognosen

          Shanahan glaubt, dass es zwei fundamental verschiedene Ansätze zur Realisierung einer allgemeinen KI gibt. Beim biologischen Ansatz der Gehirnemulation besteht das Ziel darin, sämtliche Vorgänge im menschlichen Gehirn, oder im erweiterten Nervensystem, in einem nichtbiologischen Substrat wie Silizium abzubilden. Dafür müssten die Abläufe im Gehirn zunächst exakt kartiert werden; anschließend könnten sie in Echtzeit simuliert werden, wobei die Simulation wiederum mit der externen Umgebung verknüpft werden müsste. Doch selbst bei dem um mehrere Größenordnungen weniger komplexen Gehirn der Maus ergeben sich grundlegende Schwierigkeiten. So gibt es bisher zum Beispiel keine Möglichkeit, die biochemischen Vorgänge in annähernd hinreichender Auflösung zu erfassen. Doch Shanahan meint, die Hindernisse für „die Erstellung eines Bauplans für das Mäusegehirn“ seien letztlich allein „technischer und nicht konzeptueller Natur“. Früher oder später, so glaubt er, werden wir sie überwinden. Und dann wäre der Übergang zur KI auf übermenschlichem Niveau „wohl nahezu unvermeidlich“ – einfach, weil sich Experimente zur Leistungssteigerung dann sehr leicht realisieren ließen.

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