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: Mission unmöglich

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Thomas Cruise Mapother IV., der kleine Mann, der einen langen Schatten wirft in diesen Tagen, der Mann, der, als er größer werden wollte, den eigenen Namen erst mal kleiner machte, Tom Cruise also ist noch immer der größte aller Stars - und zugleich ein Mensch, über den es nicht viel zu erzählen gibt.

          Thomas Cruise Mapother IV., der kleine Mann, der einen langen Schatten wirft in diesen Tagen, der Mann, der, als er größer werden wollte, den eigenen Namen erst mal kleiner machte, Tom Cruise also ist noch immer der größte aller Stars - und zugleich ein Mensch, über den es nicht viel zu erzählen gibt. Er war ein normales Kind und ein schlechter Schüler, er litt an Legasthenie und der Trennung seiner Eltern, er wollte, als er alt genug dafür wurde, unter den Jungs der beste sein und unter den Mädchen der begehrteste, was ihm nicht immer gelang. Und dann, im selben Jahr, in dem er mit der Highschool fertig wurde, 1980, spielte er bei einer Schulaufführung mit und lieferte eine so eindrucksvolle Vorstellung ab, dass eine Agentin auf ihn aufmerksam wurde.

          Drei Jahre und fünf Filme später war Tom Cruise weltberühmt. Und was seither geschah, ist in jeder gutsortierten Videothek zu besichtigen: Tom Cruise war ein Kampfpilot in "Top Gun", ein professioneller Billardspieler in "The Color of Money", ein ziemlicher Dreckskerl in "Rain Man", ein Offizier und Gentleman in "A Few Good Men", um nur die Filme, mit denen alles anfing, beim Namen zu nennen; er spielte unter der Regie von Barry Levinson und Martin Scorsese, Steven Spielberg und Stanley Kubrick, Brian de Palma und Paul Thomas Anderson, er musste sich messen mit Paul Newman und Dustin Hoffman, Jack Nicholson und Robert Redford, und er betrieb das alles mit einer solchen Hingabe und einer Intensität, dass, wer nur alt genug und ein Kinogänger ist, gewissermaßen glaubt, er wäre aufgewachsen mit Tom Cruise, dem paradigmatischen Kinohelden seiner Generation. Sein unverschämtes und zugleich unwiderstehliches Grinsen ist längst Teil unserer kollektiven Imagination, wie Marilyn Monroes Schmollmund und die Zigarette im Mundwinkel von Jean-Paul Belmondo.

          Die dunkle Seite

          Die Filme: Das war wohl sein Leben; und wenn Cruise ein wenig Zeit hatte zwischendurch, fing er Affären mit Cher und Rebecca De Mornay an, heiratete die Schauspielerin Mimi Rogers, die er für Nicole Kidman verließ, und als, nach zehn Jahren Ehe, auch hier der Vorrat an Emotion verbraucht war, versuchte Cruise es erst mit Penélope Cruz, dann aber, mit mehr Erfolg, mit Katie Holmes, der Schauspielerin, die schon als Mädchen für Cruise geschwärmt hatte.

          Das wäre natürlich schon der Rohstoff für einen sehr dicken, sehr johnupdikehaften Roman; der Autor müsste halt nur dabei gewesen sein. Weil der Schriftsteller Andrew Morton, der Bücher über Madonna, Prinzessin Diana und Monica Lewinsky geschrieben hat, weil Morton aber meistens großen Wert darauf legt, dass seine Biographien von denen, deren Leben sie erzählen, nicht autorisiert und abgesegnet sind; weil Morton also nicht mit den Helden seiner Geschichte, sondern bloß mit Randfiguren gesprochen hat; und weil er weiß, wie gut die Anwälte sind, die ein reicher Mann wie Cruise sich leisten kann: deshalb hat Morton nicht viel aus dem privaten Leben zu erzählen. Mimi Rogers war kühl, Nicole Kidman noch kühler, und die blutjunge Katie Holmes scheint ihrem Mann nicht gerade ebenbürtig zu sein: wenig Neues also, nichts, was, wer sich dafür interessierte, nicht schon in ungezählten Interviews und Illustriertenartikeln hätte lesen können. Und Cruise, so steht es in Mortons Buch, wirke, wenn er seine Liebe erkläre, mit Blumen, Geschenken, kleinen Zetteln, die er an die Wände klebt, immer ein wenig unauthentisch und angestrengt, so wie bei Oprah Winfrey auf dem Sofa - es ist, als übte er noch für einen Film, den dann ein sehr sensibler Regisseur etwas eleganter inszenieren müsste.

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